Berlin (dpa) - Mit seiner Rolle als Bankräuber Sonne in dem preisgekrönten Thriller Victoria ist Frederick Lau ganz oben gelandet: Beim Deutschen Filmpreis erhielt er im Juni die Goldene Lola als bester Schauspieler.

In dem Sat.1-Film Mordkommission Berlin 1 (1.12., 20.15 Uhr) ist der 26-Jährige jetzt erstmals in einer Krimi-Rolle zu sehen. Er wolle immer etwas Neues ausprobieren, sagt er im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. 

Frage: Was hat Ihnen an dem Projekt gefallen?

Antwort: Ich fand es spannend, in diese Zeit einzutauchen. Berlin in den 20er Jahren, das strahlt immer noch so eine Magie aus - die Welt der Varietés und der Clubs, aber auch die Abgründe dieser Glitzerwelt. Außerdem habe ich noch nie einen Polizisten gespielt oder einen Kommissar. Und ich fand den Regisseur Marvin Kren gut. Das wollte ich alles mal ausprobieren. Und es hat sich ziemlich gut angefühlt.

Frage: Sat.1 hat zuletzt nicht viel Glück mit großen Events gehabt. Gefährlich für die Karriere?

Antwort: Ich glaube, dass es ein guter Film ist und darauf kommt's mir an. Mich interessiert nicht so unbedingt, ob es ein Erfolg wird oder nicht. Natürlich ist es schön, wenn Leute sich den Film angucken. Aber ich mache es wegen der Sache, wegen des Projekts und hoffe, dass der Film dann funktioniert und in sich stimmig ist. Ob er auf dem Markt funktioniert, ist für mich zweitrangig.

Frage: Wie suchen Sie sich Projekte aus?

Antwort: Ich versuche, immer was anderes zu machen. Ich glaube, dass es wichtig ist, alles mal auszuprobieren. Wir sind ja keine Seriendarsteller. Letztlich ist man nur gut, wenn man sich immer neu auf etwas einlässt und sich fordert. Es muss schon auch anstrengend sein.

Frage: Sie stehen ja ganz schön unter Strom...

Antwort: Ja, das stimmt, ich bin gerade ganz gut beschäftigt.

Frage: Bleibt da genug Zeit für Familie?

Antwort: Auf jeden Fall. Ich versuche immer, sie zum Set mitzunehmen. Sonst wird man ja verrückt, wenn man sie wochenlang nicht sieht. Unsere Tochter ist jetzt eineinhalb. Skype oder so was versteht sie noch nicht, deshalb kommt meine Frau so weit wie möglich mit. Das Gute ist, dass jetzt bald Weihnachten ist. Bis zu Berlinale ist das für uns immer ein bisschen die Regenerationszeit. Und darauf warten wir alle jetzt.

Frage: Wächst mit dem Erfolg der Erwartungsdruck?

Antwort: Nein, das glaube ich nicht. Ich stehe unter meinem eigenen Druck, ich möchte mich auch selbst nicht enttäuschen. Ich sehe ja, ob eine Sache funktioniert oder vielleicht nicht so gut war. Außerdem muss man dem Team und dem Regisseur das zurückzugeben, was man geschenkt bekommen hat, indem man diese Rolle spielen darf. Das ist auch eine Sache von Respekt und Achtung.

Frage: Sie sind mit dem Mittleren Abschluss von der Schule gegangen und haben keine Schauspielausbildung. Vermissen Sie was?

Antwort: Die Schule sicher nicht. Heute morgen habe ich noch gedacht, als ich Kinder in die Schule gehen sah: Die Armen! Aber bei der Schauspielschule, da fände ich es manchmal schon spannend, ob sie mich angenommen hätten. Vielleicht hätten sie gesagt, das ist die komplette Katastrophe, was Du da machst... (lacht). Naja, in der zweiten Runde hätt's vielleicht geklappt.

Frage: Würde Sie Theater auch reizen?

Antwort: Noch nicht. Ich habe da großen, großen Respekt davor. Wenn man das macht, muss man auch was bringen. Und im Moment bin ich sehr glücklich mit dem, was ich tue. Außerdem hat es mir noch niemand so direkt angeboten. Aber mal gucken, vielleicht kommt ja irgendwann jemand und hat Lust, was mit mir zu machen.

ZUR PERSON: Frederick Lau, 1989 in Berlin geboren und in einfachen Verhältnissen aufgewachsen, ist sowohl im Kino wie im Fernsehen einer der gefragtesten deutschen Schauspieler. Seinen Durchbruch hatte er in Dennis Gansels Literaturverfilmung Die Welle, für die er den Deutschen Filmpreis als bester Nebendarsteller bekam. Im Sommer erhielt er erneut den Deutschen Filmpreis -  als bester Hauptdarsteller in Victoria.