Hamburg (dpa) - "Tagesthemen"-Moderatorin Caren Miosga wird am Freitag über ein Dorf in Thüringen berichten. Bollstedt habe 1000 Einwohner, dafür aber allein neun Vereine.

"Die haben da schon alle Preise abgeräumt, weil der Zusammenhalt exemplarisch steht für das Funktionieren einer Gesellschaft", sagt Miosga der Deutschen Presse-Agentur. "Natürlich hat das Virus nun auch hier alles gesprengt, und jetzt interessiert uns, wie die Bollstedter ihr Lebensmodell reparieren."

Die "Tagesthemen" zeigen künftig mehr Reportagen aus den einzelnen Regionen Deutschlands. Am Freitagabend (29. Mai) startet die Rubrik "Tagesthemen mittendrin". Mit dem regelmäßigen Format rücken nach Angaben des Norddeutschen Rundfunks (NDR) Menschen, Regionen und die dort vorherrschenden Themen noch stärker in den Fokus.

Zunächst gibt es die Rubrik freitags, ab September soll sie auch an anderen Wochentagen zu sehen sein. Die ARD-Landesrundfunkanstalten steuern die Reportagen im losen Wechsel bei.

Die "Tagesthemen" ziehen jeden Abend Millionen Zuschauer an. Zwischen Januar und April sahen nach NDR-Angaben durchschnittlich 2,7 Millionen jede Ausgabe. Die Sendung wird in Hamburg von der Gemeinschaftsredaktion ARD-aktuell der ARD-Rundfunkanstalten auf dem NDR-Gelände produziert. Der ARD-Vorsitzende Tom Buhrow sagt: "Als Journalist und Programm-Macher weiß ich, dass in den scheinbar kleinen Geschichten der Menschen die großen Schätze sind. Im Alltag kommt das häufig zu kurz. Ich bin froh, dass wir den Tagesthemen jetzt dafür mehr Raum geben."

Moderatorin Miosga betont: "Das meiste Regionale beschäftigt zwar tagelang die regionale Presse, schafft aber selten den Weg in die 'Tagesthemen'." Der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) steuert die erste Reportage bei. MDR-Intendantin Karola Wille sieht in der Rubrik auch die Chance, "die Stimme des Ostens bundesweit stärker zur Geltung zu bringen".

Die Rubrik heißt "Tagesthemen mittendrin" - war man vorher nicht mittendrin? Miosga sagt: "Klar waren wir vorher auch schon mittendrin, jetzt wollen wir aber länger bleiben. Unsere Reporter sind in der aktuellen Berichterstattung meist auf Schnelligkeit geeicht, aber hier soll es mal anders sein." Mehr Zeit in der Recherche und beim Dreh mit dem Ziel, hochwertige Reportagen zu zeigen. Zudem wollen die "Tagesthemen" damit auch eigene Geschichten setzen, bei denen nicht die aktuelle politische Agenda den Takt vorgibt, wie Miosga ergänzt.

Die Rubrik werde "keine einmalige, schnelle Aktion, sondern ein langfristiges Versprechen an unsere Zuschauerinnen und Zuschauer" sein, sagte der Zweite Chefredakteur von ARD-aktuell, Helge Fuhst, der dpa.

Dass die neue Rubrik in die Nachrichtensendung integriert werden kann, hängt auch damit zusammen, dass die "Tagesthemen" generell verlängert wurden beziehungsweise noch werden. Zunächst gibt es freitags die Reportage aus einer Region. "Ab dem 7. September bekommen wir montags bis donnerstags mehr Sendezeit, täglich fünf Minuten zusätzlich, die wir für den intensiven Blick auf die Regionen nutzen wollen", sagt Fuhst. "Nach der Sommerpause können wir also vier Mal pro Woche, montags bis donnerstags, spannende Geschichten in 'Tagesthemen mittendrin' senden."

Fuhst betont auch: "Es stehen alle hinter dieser Regional-Offensive. Wenn es Bedenken gäbe, würde das Projekt auch nicht funktionieren. Hier ist die ARD eins."

Im Februar hatten sich die Intendanten bei einer Sitzung mit den Verlängerungen der "Tagesthemen" freitags auf die doppelte Zeit (30 Minuten) sowie unter der Woche um fünf Minuten mehr beschäftigt und sich auch darauf geeinigt, mehr Regionales zu zeigen. Seit April sind die "Tagesthemen" freitags bereits 30 Minuten lang.

Fuhst zufolge wird bei der neuen Rubrik die gesamte Republik porträtiert, von Starnberg bis Stralsund. "Vor allem wollen wir Orte und Regionen zeigen, die sonst nicht im Scheinwerferlicht stehen. Dabei werden wir jedoch keine tägliche Behörden-Strichliste nach Bundesländern führen."

Was die öffentlich-rechtliche ARD damit erreichen will? Fuhst formuliert es so: "Unser Ziel ist, dass die Menschen sagen: Wir haben Deutschland besser kennengelernt, wir haben uns gegenseitig besser verstanden. Damit wollen wir unsere Gesellschaft stärken."