Berlin (dpa) - Paul Nkamani ist immer bereit, vor allem nachts. Sein Gepäck und ein kleiner Schwimmring liegen stets neben ihm. Jeden Moment könnte ein Schleuser kommen und ihn nach Europa bringen.

Paul lebt in einem Zelt in der Nähe der marokkanischen Küste. Unverhofft trifft er dort den Berliner Reporter Jakob Preuss. Aus der Begegnung entsteht ein filmisches Tagebuch: "Als Paul über das Meer kam" (2017) ist am Montag (23.55 Uhr) als Auftakt einer vierteiligen ZDF-Reihe zum Weltflüchtlingstag zu sehen.

Pauls Weg nach Europa ist, wie der so vieler Migranten, lang und gefährlich: Von Kamerun aus schlägt er sich über die Sahara bis zur Mittelmeerküste durch. In einem Schlauchboot wagt er schließlich die Überfahrt. Die Hälfte seiner Mitreisenden sterben. Paul überlebt.

Jakob Preuss erzählt das - zumindest anfangs noch - mit großer Ruhe und Distanz. Der Film kommt auch weitgehend ohne dramatische Bilder, etwa von überfüllten Flüchtlingslagern, aus. Der Intensität tut das aber keinen Abbruch. Ganz im Gegenteil: Die Anspannung und die Angst der gezeigten Personen sind stets spürbar.

Der Film konzentriert sich dabei ganz auf Paul und dessen Weg. Der politische Kontext bleibt nur ein leises Hintergrundrauschen. Die Dimension der Flüchtlingskrise - bei Pauls Überfahrt im Dezember 2014 heißt die noch nicht so - dürfte aber ohnehin vielen Zuschauern bekannt sein.

Reporter Jakob trifft Paul nach dessen Überfahrt in Spanien wieder. Der will weiter nach Deutschland reisen. Und dem vermeintlich neutralen Journalisten dämmert allmählich, dass sein neuer Freund auch Erwartungen an ihn stellen könnte. Zunehmend steht Jakob vor der Frage: Soll er seine journalistische Distanz wahren oder Paul helfen?

Von diesem Moment an wird aus dem Reporter Jakob ein zentraler Akteur des Films. Immer wieder stellt er sich die Frage: "Ist das legal, was ich hier mache?" Zum Beispiel als er Paul nach dessen Einreise nach Deutschland mit seinem Auto nach Berlin fährt.

Mit der Zeit kommt es aber auch zu Meinungsverschiedenheiten zwischen den beiden. Paul ist manchmal etwas zu konservativ für Jakobs Geschmack. "Ganz Afrika kann nicht nach Europa kommen", sagt der Kameruner einmal. Und: "Ich will irgendwo leben, wo es kaum Schwarze gibt." Wo es keine Schwarzen gebe, könnten die Menschen schließlich auch keine Vorurteile haben, meint Paul. Das ist aber noch vor seiner Ankunft in Deutschland.

In Berlin folgt der Film dann Schritt für Schritt Pauls Konfrontation mit dem deutschen Behördensystem. Vorläufige Endstation: eine Aufnahmeinrichtung im brandenburgischen Eisenhüttenstadt. "Ich bin kein Rassist. Ich hasse euch alle", steht dort an der Wand des Bahnhofsgebäudes. Schwarze gibt es hier tatsächlich kaum.

Afrika vermisse er aber nicht, sagt Paul. Das mag auch daran liegen, dass Filmemacher Jakob den Kameruner zum Schluss des Films noch weiter in sein Leben hineinlässt - weiter als er es zu Beginn der Dreharbeiten für möglich gehalten hätte. "Mein Plan geht auf", kommentiert der Journalist merklich stolz.

Pauls Start in Deutschland ist damit sicher besser als der vieler anderer Migranten. Seine Chancen auf ein Bleiberecht dürfte das aber kaum erhöhen. Noch ist Pauls Plan nicht aufgegangen.

Als Paul über das Meer kam