Berlin (dpa) - Frederick Lau spielt den jungen, fast mittellosen Köhler Peter, der im Kampf um seine große Liebe einen verhängnisvollen Pakt mit dem Bösen eingeht. Henriette Confurius ist Peters Angebetete Lisbeth.

Für den jungen Mann scheint das Mädchen aus gutem Glasmacher-Hause unerreichbar, bis der Menschenherzen sammelnde Holländer-Michel (Moritz Bleibtreu) auftaucht. In weiteren Rollen sind Milan Peschel, Sebastian Blomberg, Lars Rudolph und André M. Hennicke zu sehen.

In "Das kalte Herz" (Arte, 20.15 Uhr) nimmt Regisseur Johannes Naber die Hauff'sche Märchenvorlage trotz einiger dramaturgischer Freiheiten und erweiterter Handlungsstränge sehr ernst. Auf ironische Brechungen, eingebaute Gags und nicht der Story dienende Effekte verzichtet er komplett. Das tut der Interpretation der geheimnisvollen, düsteren Geschichte über die Schattenseiten des Kapitalismus gut.

Die Zuschauer müssen sich aber bewusst einlassen auf die langsame, etwas bedächtige Erzählweise, die das archaische Leben im filmisch neu erfundenen und von guten wie bösen Geistern bevölkerten Schwarzwald spiegelt.

Peter will vor der Dorfgemeinschaft und Lisbeths strengem Vater bestehen. Das weise Glasmännchen - von Milan Peschel als freundlicher Naturgeist gespielt - bietet seine Hilfe an. Das Glasmännchen sorgt dafür, dass Peter als bester Tänzer des Dorfes das Herz seiner Lisbeth erobert. Peter hat fortan immer so viel Geld in der Tasche wie sein Erzfeind, der Holzhändler Etzel. Und der junge Köhler wird Besitzer einer Glashütte.

Doch nach einer Pechsträhne geht er einen grausigen Handel mit dem im tiefen Wald lebenden Holländer-Michel ein. Peter überlässt dem von der Gesellschaft Verstoßenen gegen viel Geld sein blutig pochendes Herz und bekommt dafür ein Herz aus kaltem Stein eingepflanzt. Dabei ist Moritz Bleibtreu ein ähnlich dämonischer Holländer-Michel wie Erwin Geschonneck in der berühmten DEFA-Verfilmung aus dem Jahr 1950. Aus dem mitfühlenden Peter wird ein Mann mit buchstäblich steinernem Herzen - bis er bereut und ihn die Liebe erlöst.

Die klassischen Schwarzwald-Szenen wurden in der Nähe von Loßburg und am Schluchsee in Baden-Württemberg gedreht. Weitere Drehs gab es unter anderem im sächsischen Elbsandsteingebirge. Doch Regisseur Naber erfindet das harte Leben der Schwarzwald-Bewohner ganz neu: Zur Unterscheidung der Standeszugehörigkeit haben die Menschen Tätowierungen auf Stirn und Wangen, Konflikte werden mit Stockkämpfen ausgetragen und die Männer pflegen eine seltene Haartracht.

Naber ist mit seiner Version des Märchens eine zwar traditionell erzählte, aber atmosphärisch sehr dichte und stimmige Neuinterpretion von "Das kalte Herz" gelungen.