Berlin (dpa) - Der Herr Kommissar kann nicht schlafen. Morgens um viertel vor vier Uhr wird Rocco Schiavone (Marco Giallini) von lauter Punkmusik geweckt, die er nur als Krach empfinden kann.

Also steht er auf und beschwert sich bei seinem Nachbarn, dem 15-Jährigen Gabriele (Carlo Ponti di Sant'Angelo) - um wenig später einen Joint zu rauchen, den er aus der Asservatenkammer "abgezweigt" hat. "Der Kommissar und die Alpen" ist zurück. Ein neuer Fall aus der Reihe kommt an diesem Sonntag um 21.45 Uhr im Ersten.

Zurück zum holprigen Tag des Kommissars: Ein paar Stunden später erscheint Schiavone zwar zum Dienst, aber mit noch immer ziemlich mieser Laune. Ihm ist kalt, alle Knochen tun ihm weh und Fieber hat er auch. Jetzt soll er den Mord an dem wohlhabenden Rentnerehepaar Moresi aufklären, das schon seit etwa zehn Tagen erschlagen in seiner durchwühlten Wohnung sitzt, direkt vor dem Fernseher. Der Apparat läuft noch, und es stinkt erbärmlich. Der Mörder muss durch ein Dachfenster eingestiegen sein, gestohlen wurde lediglich eine Uhr - die wertvollste aus einer ganzen Sammlung.

Andrea Moresi (Stefano Scandaletti), das drogenabhängige und vorbestrafte Sorgenkind des Ehepaars, gerät in Verdacht, seine eigenen Eltern getötet zu haben, um sich Stoff zu kaufen. Parallel dazu muss Schiavone heimlich nach Rom fahren, um dort seinen spurlos verschwundenen Jugendfreund Sebastiano (Francesco Acquaroli) zu finden, der den Mord an seiner Lebensgefährtin Adele rächen will.

Schiavone hat also alle Hände voll zu tun. Seine beiden Assistenten Italo (Ernesto D'Argenio) und Caterina (Claudia Vismara), die sich wie zwei kleine Kinder kabbeln, werden von ihm mehrfach als unfähige Hinterwäldler abgekanzelt und schon mal losgeschickt, "den Wagen zu holen". Überhaupt legt er großen Wert darauf, dass er nicht nur irgendein Commissario, sondern der Vice-Questore ist.

Er raucht nahezu ständig, flucht meist ebenso viel, von einem freundlichen Umgangston hält er gar nichts - und ziemlich wehleidig ist er obendrein. Seine kleine Hündin Lupa verkriecht sich gerne mal unter dem Teppich seines Chefs, Questore Costa (Massimo Olcese).

Regisseur Giulio Manfredonia (52, "Qualunquemente") hat die neuen Filme nach den Romanen des italienischen Autors Antonio Manzini inszeniert. Zu sehen sind klar erzählte Fälle und eine imposante Berglandschaft, in die Schiavone strafversetzt worden ist. Zudem trauert er noch immer um seine Frau Marina, die in Rom einem Attentat zum Opfer gefallen ist, das eigentlich ihm gegolten hat.

Marco Giallini (57, "Vergib uns unsere Schuld") drückt den Krimis seinen Stempel auf (der bessere Originaltitel lautet schlicht "Rocco Schiavone"), seine deutsche Synchronstimme (Klaus-Dieter Klebsch) passt hervorragend. "Das gute Leben" erzählt gleich zwei ziemlich traurige Familiengeschichten und ist spannend bis zum spektakulären Schluss, hoch oben auf einem Skywalk. Ein gutes Leben sieht wohl trotzdem anders aus.

Eine Woche später (23. August) läuft in der Krimireihe die Folge "Staub und Schatten", gefolgt von "Nächte ohne Mond" (30. August). Im Frühjahr 2019 war die erste Staffel im deutschen Fernsehen ausgestrahlt worden. Weltweit ist das Format in 75 Ländern zu sehen.

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Der Kommissar und die Alpen - Das gute Leben