Köln/Duisburg (dpa) - Chefermittler Ingo Thiel, gespielt von Heino Ferch, hat gerade die x-te Zigarette angezündet, als man den Jagdtrieb in ihm aufsteigen sieht. Die italienische Kollegin Carla (Verena Altenberger) steht vor ihm und hält ihm eine Standpauke.

"Die Mafia ist ein uraltes Problem, das niemand in den Griff kriegt. Wir nicht, die Amerikaner nicht!", erklärt sie dem deutschen Beamten in lautem Ton. Und dann sagt sie einen Satz, bei dem es jedem Paten zwischen Palermo und Chicago anders werden dürfte: "Und du auch nicht!" Man sieht das Flackern in Thiels Augen. Ach, wirklich nicht?

Wer das ZDF-Krimidrama "Ein Kind wird gesucht" gesehen hat, der weiß: Wenn Ingo Thiel einmal die Fährte aufgenommen hat, lässt er nicht mehr los. Der Film hatte ein echtes Verbrechen zur Vorlage: die Entführung des zehn Jahre alten Mirco am Niederrhein 2010. Ferch (57) spielte für den Krimi den echten Polizisten Thiel, der durch den Fall zum Star-Ermittler aufstieg. Nun spielt er Thiel wieder - und erneut gibt es eine echte Vorlage: Die Mafiamorde von Duisburg 2007. Das ZDF zeigt "Die Spur der Mörder" am Montag (12. Oktober) um 20.15 Uhr.

Wer sich ein bisschen in Kriminalgeschichte auskennt, wird merken, dass sich die Macher an dieser Stelle einen interessanten Kniff erlaubt haben. Die Figur Thiel hat eine echte Vorlage, der Mafia-Plot ebenso. Aber beides zusammen - das hat es in dieser Form eigentlich nie gegeben. In Duisburg ermittelte in der Realität Heinz Sprenger, auch genannt "Der wahre Schimanski". Darsteller Heino Ferch erklärt die ungewöhnliche Konstellation mit dem allgemeinen Wunsch, dass er nochmal den Thiel spielt. "Daher hat man das alles mit Sprenger besprochen, der auch ein Buch über die Morde geschrieben hat", berichtet er der Deutschen Presse-Agentur. Der sei damit einverstanden gewesen - und zu Besuch zum Set gekommen.

Inhaltlich folgt der zweite Thiel-Fall der Logik und der Machart des ersten. Der Fokus liegt auf dem Nachzeichnen der Polizeiarbeit, dem Zusammenlegen aller Puzzleteile. Auch auf dem Rennen gegen die Mauern des deutschen Justiz-Systems, etwa beim Thema Datenschutz.

Die Mafiamorde von Duisburg erregten 2007 großes Aufsehen, weil sie ein Schlaglicht auf die Machenschaften der 'Ndrangheta in Deutschland warfen. Sechs Männer des Clans Pelle-Vottari wurden damals vor dem italienischen Restaurant "Da Bruno" erschossen. Hintergrund des Massakers war eine blutige Fehde zweier Familien.

Thiel folgt den Spuren in dem Film bis nach Italien, in ein staubiges Dorf, das erkennbar unter dem Joch der Mafia leidet. Beim Dreh in Kalabrien sei man zunächst nicht ganz entspannt gewesen, berichtet Ferch, "sagen wir es mal so". "Kurz vor dem Dreh gab es eine große Mafia-Razzia in NRW, Bayern, Baden-Württemberg und Norditalien. Wir dachten: Na super. Genau bei den Leuten, über die wir einen Film machen, hauen die jetzt auf den Busch und das Wild aus dem Gehölz."

Am Ende ging glücklicherweise alles gut. Herausgekommen ist ein spannender Film, der die Mafia in keiner Weise heroisiert, sondern das Leid zeigt, das sie auslöst. Umso mehr wird aber diesmal Thiel als Held inszeniert, der allein mit seiner niederrheinischen, straßentauglichen Wucht Dinge vollbringt wie sonst kein anderer Polizist. Lässig trägt er Sonnenbrille und sagt auch schon mal Wörter wie "Fuck!". Oder: "Ich kann das Wort "schwierig" nicht mehr hören."

"Ingo ist ein Packer", sagt Ferch. "Der brennt, der ist ständig auf Adrenalin, wenn so ein Ding läuft. Der ist ein sturer Hund, der nicht nachgibt, das ist auch das Geheimnis seines Erfolgs." Er wird ihn ein drittes Mal spielen, wie er verrät.

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"Die Spur der Mörder"