München (dpa) - Der Schreiner Georg Elser aus Baden-Württemberg ist fast in Vergessenheit geraten. Er wollte den Diktator Adolf Hitler ermorden, die Gefahr des Krieges bannen und Deutschland von der brutalen Macht der Nazis befreien.

Der Regisseur Oliver Hirschbiegel hat dem mutigen Handwerker aus dem schwäbischen Hermaringen ein filmisches Denkmal gesetzt mit dem Kinodrama "Elser - Er hätte die Welt verändert". Das Erste zeigt den 2015 uraufgeführten Film an diesem Mittwoch um 20.15 Uhr.

Das Attentat ist dabei Rahmenhandlung und Kernstück zugleich. Der Film nach dem Drehbuch von Fred Breinersdorfer und seiner Tochter Léonie-Claire beginnt im Münchner Bürgerbräukeller. Mit blutigen, zittrigen Händen versucht Elser, mitten in der Nacht seine Bombe mit Zeitzünder in einer Säule hinter dem Rednerpult zu platzieren, wo Hitler zwei Tage später zu den Menschen im Saal sprechen soll.

Doch der Plan geht nicht auf. Während Elser am Abend des 8. November 1939 aus der Ferne ständig seine Uhr kontrolliert und auf die Nachricht vom Tod des Führers wartet, verlassen der Diktator und seine hochrangigen Begleiter den Saal - 13 Minuten zu früh. Das Attentat missglückt und Elser wird bald darauf an der Grenze zur Schweiz festgenommen. Sein Schicksal ist besiegelt: Verhöre, Folter, grausame Psychospiele und schließlich der Tod.

Hirschbiegel, der mit seinem oscarnominierten Hitler-Film "Der Untergang" weltweit Aufsehen erregte, interessierte weniger die Frage, wie das Attentat ablief - damit will er sich auch von Klaus Maria Brandauers Film "Georg Elser - Einer aus Deutschland" aus dem Jahr 1989 abgrenzen. Hirschbiegel ging es um die Persönlichkeit des Menschen, der in diesen politisch gefährlichen Zeiten den Mut zu so einer Tat aufbrachte und sie tatsächlich auch völlig allein durchzog.

Der Regisseur wollte zeigen, wie die nationalsozialistische Ideologie schleichend Einzug in den Alltag hielt und wie aufmerksam und weitsichtig Elser diese Veränderungen in der Gesellschaft wahrnahm und einordnete. Und wie die Nazis den mutigen Widerstandskämpfer als wahnhaften, psychisch kranken Kollaborateur der Amerikaner und Engländer darstellten, bevor sie ihn wenige Wochen vor Kriegsende am 9. April 1945 im Dachauer Konzentrationslager ermordeten.

Christian Friedel ("Das weiße Band") verleiht der Figur Elser eine Mischung aus Leichtigkeit, Nachdenklichkeit und Trotz. Anders als früher in vielen Geschichtsbüchern dargestellt spielt er sie aber nicht als verrückten Tüftler, der sich in einen Wahn hineinsteigert, so wie es die Nazis gerne darstellen wollten. Sein Elser strahlt trotz aller Nervosität eine beeindruckende Ruhe aus, die klar macht, dass Elser genau wusste, was er tat, und stets Herr seiner Sinne war.

Besonders grausam sind die Verhörszenen mit Burghart Klaußner als undurchsichtigem Kripo-Chef Arthur Nebe und Johann von Bülow als Gestapo-Chef Heinrich Müller. Nebe ist ein unheimlicher Mann, der auf den ersten Blick weich und fast verständnisvoll wirkt, der aber in Wirklichkeit eiskalt und gnadenlos zu sein scheint. Hirschbiegel erspart den Zuschauern diese Grausamkeiten nicht. Er zeigt, wie die Folterknechte Elser glühende Schraubenzieher unter die Fingernägel schieben, wie sie ihn auspeitschen und bis aufs Blut quälen.

Dass Elser nach seinem Tod so lange nicht als Widerstandskämpfer anerkannt wurde, war für Hirschbiegel ein Grund mehr, dessen Leben zu verfilmen. "Dass so ein kleiner Handwerker aus dem Schwabenland als einziger erkennt, was in Deutschland passiert, und etwas dagegen unternimmt - das ist beschämend", sagte er vor der Premiere 2015. "Das weckt natürlich den Reflex, diese Geschichte unter den Tisch zu kehren. Höchste Zeit also, sie auf die große Leinwand zu bringen!"

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