Berlin (dpa) - Ernst Jünger zählt zu den wichtigen Chronisten des 20. Jahrhunderts. Jüngers Schriften in den Jahren der Weimarer Republik enthalten bemerkenswerte Reflexionen, sind aber auch voll von antiliberalen Gedanken. Das macht ihn in Deutschland umstritten, während es im Ausland Wertschätzung gibt.

Wer war Ernst Jünger (1885-1998) als Mensch? Was macht ihn so interessant? Und wie lässt sich sein Werk bewerten? Diesen Fragen geht eine Dokumentation nach, die Arte am Mittwoch (27. November, 21.50 Uhr) ausstrahlt. "In den Gräben der Geschichte" zeichnet die Biografie eines Schriftstellers nach, an dem sich die Geister bis heute scheiden und dessen Leben eng verknüpft war mit den Krisen und Katastrophen des 20. Jahrhunderts.

Die Doku stellt es so dar: Als Kind liest Jünger nächtelang Abenteuerliteratur. Mit 19 will er selber all das erleben, was ihn in der "Ilias" oder "Dem rasenden Roland" so fasziniert hat. Er zieht in den Ersten Weltkrieg. Immer wieder entgeht er dem Tod um Haaresbreite. Er fühlt sich lebendig und empfindet den Krieg als Grenzerfahrung, als Explosion des Rausches.

Die Erlebnisse an der Front hält Jünger in insgesamt 15 Notizheften fest. Mit einer Sprache, die präzise und beschreibend ist. Bis er als Schriftsteller reüssiert, vergehen jedoch noch einige Jahre. Als der Krieg zu Ende geht, fällt es dem damals 22-Jährigen schwer, Deutschlands Niederlage und den Versailler Vertrag zu akzeptieren, wie aus der Doku hervorgeht. Zudem muss er einen schweren Lungenschuss auskurieren.

Jünger gerät in eine tiefe psychische Krise. Um seinen depressiven Zustand zu überwinden, schreibt er auf der Basis der Kriegstagebücher ein Buch über den Ersten Weltkrieg. So entsteht das Werk "In Stahlgewittern", mit dem Jüngers literarische Karriere beginnt.

In der Frühphase seines Schaffens beschreibt er den Kampf und den Tod auf dem Schlachtfeld, attackiert aber auch wortmächtig die Demokratie der Weimarer Republik. Nicht wenige sehen in ihm deshalb einen Wegbereiter des Nationalsozialismus'. Seine Biografen Helmuth Kiesel und Heimo Schwilk beschreiben ihn im Dokumentarfilm indes als eigentlich unpolitischen Menschen. Andere wie der Historiker Volker Weiss oder der Soziologe Armin Nassehi sind hingegen der Meinung, dass Jünger mit seinen Thesen und Formulierungen noch heute die rechte Szene perfekt bedient.

Lobende Worte für den Schriftsteller findet der Maler Neo Rauch, der sich durch den Klang der Sprache und bestimmte Begriffe zu Bildern aufschwingen ließ. Ernst Jünger habe stilbildend in seine Malerei hineingewirkt. Ohne ihn wäre sie heute nicht das, was sie ist.

Zwischen den Interviews blendet Regisseur Falko Korth Schwarz-Weiß-Fotografien ein oder Archivaufnahmen. Darunter befinden sich unter anderem Ausschnitte aus Fernsehsendungen, in denen Jünger zu Wort kam und seinen Lebensweg mit kernigen Aussagen kommentiert.

In den Gräben der Geschichte