München (dpa) - Hitler ist seit 70 Jahren tot - und darin liegt ein Problem, heißt es zu Beginn des Films. Er hat uns ein Erbe hinterlassen: seine Gedanken.

Arte zeigt an diesem Dienstag (20.15 Uhr) die Dokumentation Mein Kampf - Das gefährliche Buch. Denn 70 Jahre nach dem Tod des Diktators laufen mit dem Jahr 2015 die Urheberrechte an dem Machwerk aus, die der Freistaat Bayern als Rechtsnachfolger dazu nutzte, Nachdrucke in Deutschland bislang zu verhindern. Das geht ab 2016 nicht mehr.

Ein ambitioniertes Forschungsprojekt des Instituts für Zeitgeschichte (IfZ) in München will allen, die Mein Kampf nun möglicherweise wieder auf den Markt werfen wollen, den Wind aus den Segeln nehmen und plant für Anfang Januar die Veröffentlichung einer kommentierten Ausgabe der Hetzschrift. Renommierte Wissenschaftler haben jahrelang an dem Projekt gearbeitet.

Die Dokumentation zeigt, mit welchen Schwierigkeiten das Projekt zu kämpfen hatte, das einst vom Freistaat Bayern initiiert wurde - bis Horst Seehofer (CSU) die staatliche Unterstützung nach einem Besuch in Israel völlig überraschend widerrief. Nackenschlag und Tiefschlag nennt das der IfZ-Projektleiter Christian Hartmann.

Im Film kommt auch die prominente Kritikerin des Projektes, die Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, zu Wort, die bewegend von ihren Erinnerungen an den Holocaust berichtet - ebenso wie die Holocaust-Überlebende Margot Friedländer. Meine Mutter hat keine Nummer bekommen. Sie ist gleich ins Gas gegangen.

Wissenschaftler kommen zu Wort - darunter die Politikwissenschaftlerin Barbara Zehnpfenning, die versucht, zu beschreiben, warum Mein Kampf jahrelang ins Lächerliche gezogen wurde. Wir neigen dazu, Hitler lächerlich zu machen, uns über ihn lustig zu machen, sagt sie in der Arte-Dokumentation. Weil wir möglicherweise befürchten, dass wir in ihm etwas finden könnten, was auch in uns schlummert.

Hitler schrieb die Hetzschrift 1924 als Häftling in der Festung Landsberg. Er entwickelte darin unter anderem seine menschenverachtende Rassentheorie. Der erste Band erschien im Juli 1925, der zweite folgte im Dezember 1926. Der Absatz des Buches war gesichert - auch, weil nach 1933 jedes Paar bei der Eheschließung ein Buch im Standesamt bekam. Bis 1945 erreichte Mein Kampf in Deutschland eine Auflage von 9,8 Millionen Exemplaren. Aus dem Ideenschutt der Jahrhunderte baut er sich ein Weltbild zusammen, sagt Hartmann vom IfZ. Und: Die Bereitschaft zum Mord, die ist in Mein Kampf ganz klar zu erkennen.

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