Berlin (dpa) - Unter dem Motto "Unabhängig, weiblich, stark" hat der Sender Arte nicht nur am Weltfrauentag, sondern den ganzen März lang extra Platz für Frauen im Programm reserviert - am Mittwoch (27. März, 20.15 Uhr) für Paula Modersohn-Becker.

Heute ist die deutsche Malerin weltberühmt, zu ihren Lebzeiten (1876 bis 1907) war das anders. Als sie mit 31 Jahren starb, nahm kaum jemand Notiz von ihrem Schaffen. Inzwischen gelten die von ihr in wenigen Jahren geschaffenen fast 2000 Gemälde, Zeichnungen und Radierungen als Meisterwerke der Kunst des frühen 20. Jahrhunderts.

"Paula - Mein Leben soll ein Fest sein" beleuchtet wichtige Stationen aus ihrem Leben. Schon Paulas Vater beharrt darauf, dass Frauen keine Malerinnen sein könnten, auch der Lehrer in der Künstlerkolonie Worpswede sieht das so. Doch die junge Paula Becker lässt sich nicht beirren. Anders als die meisten männlichen Künstler ihrer Zeit zeigt sie in ihren Bildern, was sie fühlt. Kaum jemand versteht das. Nur der ungestüme Dichter Rainer Maria Rilke unterstützt sie. Ihr Mann, der Maler Otto Modersohn, sieht sie als Gefährtin und Mutter seiner Tochter aus erster Ehe. Er ringt um Verständnis, doch ihrer Kunst kann er wenig abgewinnen.

Regisseur Christian Schwochow, der gerade mit der Serie "Bad Banks" zwei Deutsche Fernsehpreise und den Grimme-Preis holte, spiegelt in dem 2016 in die Kinos gekommenen Film das Leben der Malerin überaus einfühlsam. In der Titelrolle brilliert die Schweizer Schauspielerin Carla Juri, die 2013 durch die Verfilmung des Skandalromans "Feuchtgebiete" bekannt wurde und nach "Paula" unter anderem im US-Science-Fiction-Streifen "Blade Runner 2049" zu sehen war.

Juri zeigt einen Charakter voller Eigensinn und Weichheit, Kreativität und Selbstsucht, geprägt von künstlerischen Ambitionen einerseits und Selbstzweifeln andererseits. Ihr Spiel ist packend und intensiv. Die eigenwillige Moorlandschaft um Worpswede in der Nähe von Bremen wird wie nebenbei zum Spiegel von Paula Modersohn-Beckers Charakter. Zwei Lolas erhielt "Paula" beim Deutschen Filmpreis - für das beste Szenenbild (Tim Pannen) und für das bestes Kostümbild (Frauke Firl).

Schwochow setzt bei "Paula" auf eine ruhige, elegische Erzählweise. Da stören keine vordergründigen optischen Effekte, kein übermäßiger Musikeinsatz. Die Dialoge sind erfreulich knapp, das Bild dominiert. Alle filmkünstlerischen Mittel fokussieren schnörkellos auf die Hauptfigur. Dabei fällt es nicht ins Gewicht, dass biografische Details verknappt und Zeitabläufe gerafft wurden, die Episoden um einen Liebhaber in Paris nicht belegt sind. Entscheidend ist der Blick auf das Ringen Paulas um sich selbst und um ihre Kunst.

Um den Film genießen zu können, muss man als Zuschauer kein Kunstexperte sein. Paulas Rolle als wesentliche Protagonistin in der Zeit des Übergangs vom Impressionismus zum Expressionismus wird auch ohne Vorwissen eindrucksvoll deutlich. Vor allem fasziniert und fesselt der Film als Porträt einer Frau, die um ihr Recht auf ein eigenes, selbstbestimmtes Leben ringt. Damit wird Paula Modersohn-Becker, wie im überraschenden, raffinierten Schlussbild des Films, ganz selbstverständlich in die Gegenwart geholt.

Paula - Mein Leben soll ein Fest sein