Rostock (dpa) - Erst wird eine rechtspopulistische Politikerin auf brutale Weise umgebracht. Dann müssen die Kommissare aus dem Rostocker "Polizeiruf 110" auf dem platten Land unter völkischen Siedlern ermitteln.

"Es ist ein sehr düsteres Bild von Mecklenburg-Vorpommern, das der Film zeichnet", sagt der ganz reale Rostocker Polizeichef Michael Ebert. Er hat sich mit der Polizeihauptkommissarin Isabel Wenzel vorab den neuen "Polizeiruf 110"-Fall "In Flammen" angesehen, der an diesem Sonntag (20.15 Uhr) im Ersten gezeigt wird.

"Da bleibt nicht viel Positives übrig", fügt Wenzel hinzu, die als Dienstgruppenleiterin im Stadtteil Lichtenhagen tätig ist. Das ist jener Stadtteil, der mit der rassistischen Randale 1992 traurige Berühmtheit erlangt hat. Immerhin 26 Jahre danach ist das Ereignis noch tief in die Erinnerung der Menschen auch außerhalb der Hansestadt eingebrannt.

90 Minuten haben die beiden Polizisten ihren Filmkollegen Katrin König und Alexander Bukow, gespielt von Anneke Kim Sarnau und Charly Hübner, dabei zugesehen, wie sie in ihrem 17. Fall den Mord an der rechtspopulistischen Politikerin Sylvia Schulte aufklären. Diese kandidiert für die fiktive Partei PFS um das Amt der Oberbürgermeisterin in der Hansestadt. Doch sie wird nach einer Wahlkampfveranstaltung entführt, mit einer brennbaren Flüssigkeit übergossen und bei lebendigem Leib verbrannt.

Schnell baut sich ein Fächer aus Personen auf, um die sich die Handlung rankt und die für den Regisseur Lars-Gunnar Lotz der Ansatzpunkt für einen Blick auf die braunen Seiten Mecklenburg-Vorpommerns sind. Denn Schulte hatte Beziehungen zu völkischen Siedlern im weiten flachen Land Mecklenburg-Vorpommern, wie sie sich auch tatsächlich dort niedergelassen haben. Ob in den realen Küchen allerdings ein Adolf-Hitler-Porträt hängt, ist nicht bekannt. Im "Polizeiruf 110" gibt es Ansichten von Rostock oft nachts, die völlig humorfreien Menschen scheinen in graue Farbe getaucht zu sein.

Jedenfalls lässt der "Polizeiruf 110" nach Ansicht der beiden Polizisten kein Klischee aus, mit denen der Nordosten immer noch gerne gesehen wird: eine starke rechte Szene, immerhin ist die AfD die zweitstärkste Partei im Schweriner Landtag, dumpfe Parteigänger, völkische Siedlergemeinschaften, Rassismus gegen Flüchtlinge oder Abzocke mit Flüchtlingsheimen. "Natürlich gibt es das alles in der Realität", fügt Ebert hinzu, der zusammen mit seiner Truppe immer wieder bei großen AfD-Demonstrationen für Ordnung sorgen muss.

Ebert und Wenzel sehen manches an der Polizeiarbeit der Kollegen im Film kritisch - die Mühsal der Ermittlungen ließe sich eher in Dokumentationen darstellen. So arbeiten an der Aufklärung eines Mordfalls bis zu 20 Polizisten. "Trotzdem sträuben sich die Nackenhaare, das hier hat mit der Realität aber so überhaupt nichts zu tun", betont Ebert.

Allein der Umgang im Team, wenn jeder kommt und geht, wie es ihm passt oder der Chef angeschnauzt wird - es ist halt Film. Wenzel fragt sich, welcher Eindruck beim Zuschauer zurückbleibe, wenn Bukow einen am Boden liegenden Mann mit entsicherter Pistole vor der Nase zu einer Aussage zwingen will.

Dass die beiden Film-Kommissare, die seit 2010 zusammen Verbrechen aufklären, noch immer "per Sie" sind, findet Wenzel ebenfalls unrealistisch. Ob sie das Disziplinarverfahren, dem sie sich wegen eines Vorfalls in einer vorausgegangenen Sendung gegenüber sehen, zusammenschweißt? Ein klitzekleiner Annäherungsversuch Bukows wird von König jedenfalls ignoriert. Das ist dann möglicherweise ein Thema für den 18. Fall.

Rechte Ideologen sind im Ersten kein völlig neues Thema - und auch keines, das auf Mecklenburg-Vorpommern beschränkt wäre: Erst der "Tatort: Freies Land" aus München am vergangenen Sonntag spielte in der rechten Reichsbürger-Szene, der "Tatort: Sonnenwende" Anfang Mai unter Neonazis und völkischen Bio-Bauern im Schwarzwald. Im "Tatort: Dunkle Zeit" mit Wotan Wilke Möhring im Dezember ging es um den Mord am Ehemann einer rechtspopulistischen Politikerin, der bei einer Bombenexplosion ums Leben kommt und um die Machenschaften einer rechtspopulistischen Partei beim Wahlkampf in Niedersachsen.