Berlin (dpa) - "I Just Called to Say I Love You", "Superstition", "You Are the Sunshine of My Life": Diese Hits machten Stevie Wonder weltberühmt.

Seinen Künstlernamen hat der als Stevland Hardaway Morris geborene Sänger nicht zufällig bekommen. Bereits in jungen Jahren spielte "Little Stevie" Klavier, Mundharmonika und Schlagzeug, obwohl er blind war. Berry Gordy, Gründer des legendären Musiklabels Motown Records, konnte nicht anders, als den damals Zehnjährigen unter Vertrag zu nehmen.

Mit 11 nimmt Stevie Wonder 1962 seine erste Platte auf und entwickelt sich von da an zu einem der erfolgreichsten Unterhaltungskünstler, dessen Karriere eine Arte-Dokumentation an diesem Freitag (21.50 Uhr) nachzeichnet. Am Anfang seiner Laufbahn spielt Stevie Wonder noch nach den Regeln des Plattenlabels. Als das Wunderkind aber erwachsen wird, will es mehr Selbstbestimmung und Freiheit, um Musik machen zu können, die seinem Wesen eher entspricht. Das nächste Album produziert der Sänger alleine.

Mit der Befreiung von Motowns Vorgaben haucht Stevie Wonder seinen Texten mehr Leben ein und drückt immer stärker ein politisches und soziales Bewusstsein aus. Manche seiner Lieder nehmen gesellschaftliche Entwicklungen vorweg, die Amerika später in Aufruhr versetzen. Um seine Texte zu verfeinern, sucht er nach neuen Klängen. Es ist die Zeit der Experimente, in der das Ausnahmetalent künstlerisch reift. In den 1980er Jahren wendet sich Stevie Wonder schließlich der kommerziellen Musik zu, was Teile seiner Fans zwar verzweifeln lässt, an seiner Popularität aber nichts ändert.

Die Laufbahn des Soul- und R&B-Sängers ist eine Erfolgsgeschichte, die nur eine Richtung kennt. Weil Tiefpunkte größtenteils fehlen, versucht es die Dokumentation erst gar nicht, einen dramatischen Bogen zu spannen. Ganz konventionell handelt sie die wichtigsten Stationen des Musikers ab und bewegt sich von einem Jahrzehnt zum nächsten. Verweilt der Film bei einem Thema etwas länger, so springt er zwischen den Zeiten und lässt Weggefährten, Familienmitglieder oder Prominente zu Wort kommen, unter anderem Barack Obama. Den größten Redeanteil hat aber der Protagonist selbst, der in Interviews aus dem Nähkästchen plaudert oder erklärt, woher seine Blindheit kommt.

Regisseurin Julie Veille greift ausschließlich zu Archivaufnahmen. Einige von ihnen sind bislang unveröffentlicht und stammen noch aus der Schwarz-Weiß-Ära. Stevie Wonder erscheint darin in unterschiedlichen Looks, mal mit kurzen Haaren, mal mit Dreadlocks, mal hager, mal etwas fülliger. Porträtiert wird er als freiheitsliebender Visionär, als Humanist, der die Menschen mit seinen Songs vereinen möchte. In vielen Filmausschnitten wirkt sein Optimismus ansteckend und nährt die Hoffnung, dass ein friedliches Miteinander möglich ist.

Stevie Wonder - Der Weg zur Legende