Potsdam (dpa) - An einem Parkplatz im Waldgebiet Parforceheide, rund 30 Kilometer südwestlich von Berlin, hat sich eine Menschentraube gesammelt. Ältere und jüngere Leute sind darunter. An dem sonnigen Herbsttag möchte die Gruppe das Grab einer Familienangehörigen und Bekannten besuchen.

Für ihre letzte Ruhestätte hat sich die Verstorbene einen Platz an einer alten, knorrigen Eiche ausgesucht. "Die Gruppe treffe ich öfters hier", sagt Knut Krause. Der 48-jährige Förster betreut den "Friedwald Nuthetal-Parforceheide" im Landkreis Potsdam-Mittelmark gemeinsam mit seiner Frau Johanna seit der Eröffnung im Sommer 2012.

830 Beisetzungen haben seitdem in dem 23 Hektar großen Bestattungswald stattgefunden. Mehr als 1500 Menschen haben sich bereits einen Platz oder einen Baum als Grabstätte reserviert, wie Franziska Bittel, Sprecherin der FriedWald GmbH berichtet.

60 Standorte in Deutschland

Das Unternehmen mit Sitz im südhessischen Griesheim betreibt mittlerweile über 60 Standorte in Deutschland - davon allein drei in Brandenburg. Hinzu kommen mehr als 65 Bestattungswälder der Ruheforst GmbH sowie einzelne Naturfriedhöfe wie der evangelische Bartholomäus Friedhof in Berlin oder der Südwestkirchhof in Stahnsdorf.

Das Prinzip der beiden großen Unternehmen " Friedwald" und " Ruheforst" ist ähnlich: Da Private in Brandenburg nicht Friedhofsträger sein dürfen, befinden sich die Bestattungswälder in Trägerschaft von öffentlich-rechtlichen Körperschaften wie Städten und Gemeinden, erklärt Lothar Wiegand, Sprecher des Ministeriums des Innern und für Kommunales in Brandenburg. Diese wiederum haben mit den Unternehmen einen Betreibervertrag geschlossen.

Ein Friedhof für 99 Jahre

Meist werden die Wälder für 99 Jahre als Bestattungswald im Grundbuch ausgewiesen. Für die Errichtung eines solchen Waldfriedhofs gilt im Übrigen nichts anderes als für Friedhöfe in anderen Gebieten, sagt Wiegand. "Von dem Friedhof dürfen keine Gefahren für Rechtsgüter ausgehen, das heißt er muss mit den gesetzlichen Vorschriften im Einklang stehen." Dies werde in einem Genehmigungsverfahren geprüft.

Einen Platz im Wald oder einen eigenen Baum können sich Menschen bereits zu Lebzeiten aussuchen. Je nach Größe des Baumes variieren die Preise von 770 Euro für einen Platz bis hin zu rund 7000 Euro für einen stattlichen Baum, erklärt Förster Krause, der mit seiner Frau regelmäßig Führungen durch den Wald anbietet. "Diesen Platz hat man dann aber auch für 99 Jahre seit der Eröffnung des Bestattungswaldes."

Menschen wollen Nähe zur Natur

"Die Zahl der Beisetzungen im Friedwald steigt", sagt Sprecherin Bittel. Wurden 2016 noch 500 Menschen in Friedwäldern in Brandenburg beigesetzt, waren es 2017 bereits 690 Beisetzungen. Und im laufenden Jahr habe es bereits 650 Bestattungen gegeben. "Die Menschen schätzen vor allem die Nähe zur Natur", so Bittel. Für die Beisetzungen im Wald werden biologisch abbaubare Urnen verwendet. Je nach Wassergehalt im Boden zersetzen sich die Urnen in einem Zeitraum bis vier Jahren.

Viele schätzten vor allem die individuellen Beisetzungsmöglichkeiten. "Wir hatten hier schon eine buddhistische Beisetzung. Und eine Feier mit Geigenspieler", erinnert sich Krause. Bei der Bestattung im Wald können die Hinterbliebenen selbst entscheiden, wie sie Abschied nehmen wollen. Verboten ist jedoch Grabschmuck. Das Niederlegen von Blumenkränzen oder Aufstellen von Grablichtern und Kreuzen ist nicht erlaubt, sagt Krause. Der natürliche Waldcharakter soll erhalten bleiben.

"Viele bringen eine Schale mit Blütenblättern mit, die auf dem Grab verstreut wird." Meist macht eine Namenstafel am Baum auf die Grabstätte aufmerksam. Außerdem sei jeder Baum mit einer Baumnummer versehen und in das Baumregister eingetragen.

Keine Beisetzung im Sarg möglich

Zu den Kosten für den Platz beziehungsweise Baum kommen noch rund 350 Euro für die Beisetzung sowie die Kosten für die Einäscherung. Erdbestattungen, also die Beisetzung im Sarg, ist im Wald bislang verboten.

Auch für ein Ehepaar aus Berlin ist die Bestattung unterm Baum eine Alternative zum Friedhof. "Man kann doch von den Kindern nicht verlangen, dass sie vierteljährlich zum Grab kommen", sagt der 70-Jährige, der seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte. Freunde von ihm seien auf einer Wiese begraben. Dies sei für ihn aber keine Option. "Da trampelt doch jeder drauf herum." Außerdem seien anonyme Bestattungswiesen doch "sehr unpersönlich". "Hier übernimmt die Natur den Grabschmuck mit ihren Jahreszeiten", ergänzt seine 73-jährige Frau. "Mal ist es der Frühling, mal der Sommer sowie Herbst und Winter."

Ein anderes Ehepaar überlegt sogar, einen Baum im "Friedwald Parforceheide" anzupflanzen. "Wir wollen auf jeden Fall gemeinsam liegen", sagt die Frau in weißer Steppjacke. "Wir sind kinderlos", ergänzt ihr Mann. "Für uns ist es einfach kein schöner Gedanke, wenn unser Grab auf dem Friedhof verkommt, weil sich einfach keiner darum kümmert."

Ruheforst

Bestattungen im Friedwald

   

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