Berlin (dpa/tmn) - Viele Eltern scrollen sich aktuell durch diverse Websites weiterführender Schulen. Was bleibt ihnen anderes übrig. Die Einrichtungen sind pandemiebedingt dicht, persönliche Besuche unmöglich, doch die Anmeldefristen sitzen ihnen im Nacken. Wie man trotz Corona ein gutes Gefühl für die Schule bekommt, erklärt die Berliner Gymnasiallehrerin Rosa Schritt im Interview.

Auf den Homepages der Schulen gibt es viele Informationen und Versprechen. Sollte man sich auf die verlassen?

Rosa Schritt: Eine gut gepflegte Homepage zeugt von einem hohen Engagement. Wichtig ist es, dass die Besonderheiten der Schule und der einzelnen Fachbereiche vorgestellt werden. Einige Schulen stellen sogar Videos bereit, in denen die Schule präsentiert wird. Aufgrund der Pandemie mussten viele Schulen jedoch innerhalb sehr kurzer Zeit Informationen bereitstellen. Auch die Homepages guter Schulen können daher etwas improvisiert wirken.

Wenn es besonders gut läuft, bietet die Schule auf ihrer Seite Videokonferenzen an, wo man all seine Fragen stellen kann. Sind Kontaktdaten auf einer Seite angegeben, sollte man das nutzen und sich melden. Über die besetzten Sekretariate können Eltern nach Gesprächspartnern fragen.

Und wie geht man in ein solches Gespräch?

Rosa Schritt: Ungünstig ist der Gesprächseinstieg: "Können Sie mir was über die Schule erzählen?" Stattdessen erstellt man zuvor eine Liste mit konkreten Punkten, was man von der Schule erwartet und fragt gezielt.

Das können Fragen zum Profil sein, ob die Schule etwa mathematisch-naturwissenschaftlich oder musisch ausgelegt ist, es bilingualen Unterricht, Förderangebote oder Kurse in der Muttersprache gibt. Oder welche zweite Fremdsprache unterrichtet wird, welche Fächer es im Wahlpflichtbereich gibt oder ein Ganztagsangebot.

Ich rate dazu, eine Rangfolge seiner Prioritäten aufzustellen. Dann sieht man schneller, dass etwa die Schulform und das Schulprofil wichtiger sind als etwa die angebotene Volleyball-AG, die Ausstattung der Turnhalle oder die Projektwoche vor den Ferien.

Wie bekomme ich heraus, ob die Schule digital gut gerüstet ist?

Rosa Schritt: Es kann für Familien wichtig sein, ob Leihgeräte zum digitalen Lernen zu Hause zur Verfügung stehen. Bei der Frage nach digitalen Lernkonzepten wäre mir wichtig zu erfahren, welche Lernplattformen genutzt werden, ob es Videokonferenzen gibt, idealerweise einheitliche. Wichtig ist auch eine funktionelle Ausstattung der Räume mit einem ordentlichen Internetanschluss.

Kleiner Tipp: Ein Online-Vertretungsplan zeugt davon, dass schon vor der Pandemie digital gearbeitet wurde.

Profil und digitale Ausstattung sagen aber noch nichts über das Klima an einer Schule aus. Das dürfte vor allem das Kind selbst interessieren. Wie kommt man da an Infos?

Rosa Schritt: Günstig wäre ein persönlicher Austausch mit Schüler/-innen der weiterführenden Schule im Bekanntenkreis. Gegebenenfalls organisiert auch die Schule einen Austausch zwischen Schüler/-innen und "den Neuen". Oft erklären sich extra Schüler oder Schülerinnen dafür bereit, mit den Neuen zu reden.

Hilfreich ist auch, im Internet nach Bewertungen für eine Schule zu suchen. Oder auch in Foren nach Eindrücken von Schüler, Schülerinnen oder Eltern zu suchen.

In der dann womöglich die Antwort kommt: "Da sind alle Lehrer blöd". Sollte man darauf etwas geben?

Rosa Schritt: Bei solchen subjektiven Eindrücken sollte man nachhaken. Handelt es sich um eine unzufriedene Einzelmeinung, würde ich nicht so viel darauf geben. Häufen sich allerdings diese Eindrücke, kann das schon ein Indiz für ein raues Klima sein.

Manche Schulen haben strenge Aufnahmekriterien und führen Einstellungstest durch. Kann man sich darauf vorbereiten?

Rosa Schritt: Bewerbe ich mich an einem mathematisch-naturwissenschaftlichem Gymnasium, sollte ich auf Fragen in diese Richtung gefasst sein. Hilfreich kann da sein, wenn man schon vorher eine Mathe-AG besucht hat. Eignungstests zielen auf langfristig erworbene Kompetenzen ab. Daher sollte man seine Chancen realistisch einschätzen.

Was raten Sie, wenn Schüler eine andere Schule favorisieren als die Eltern?

Rosa Schritt: Beide Seiten sollten alle Argumente für verschiedene Schulen aufschreiben und dann Punkt für Punkt durchgehen. Vielleicht will ein Kind nur nicht auf die Schule, weil es eine bestimmte Lehrkraft nicht mag.

Wenn für die Eltern aber ansonsten viel für die Schule spricht, könnten sie das Argument mit einer realistischen Einschätzung relativieren.

Und wie?

Rosa Schritt: Wichtig ist es, dem Kind ein positives, anschauliches Bild der Schule zu vermitteln, zum Beispiel über Bilder auf der Homepage oder die Beschreibung von Projekten und Klassenfahrten. Man könnte sagen: "Schau mal, an dieser Schule sind 75 Lehrkräfte, die meisten sehen doch sehr nett aus".

Die Kinder kennen es aus der Grundschule, dass sie viele Stunden mit festen Lehrkräften verbringen. Das ändert sich an den weiterführenden Schulen. Sie haben dann viel weniger Stunden bei einer Lehrkraft. Lehrkräfte wechseln auch häufig, etwa beim Übergang von der Sekundarstufe 1 in die Sekundarstufe 2.

Zur Person: Rosa Schritt ist Gymnasiallehrerin für Mathematik und Latein im Berliner Bezirk Lichtenberg. Außerdem ist sie für die Lernplattform sofatutor tätig, für die sie Fachtexte erstellt und in Hausaufgabenchats weiterhilft.

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