Stuttgart (dpa) - Mit menschlicher Wärme können Roboter nicht dienen - aber aus Sicht der Universität Hohenheim können Androiden dazu beitragen, Einsamkeit und Isolation zu überwinden.

Gemeinsam mit Forschern aus den Niederlanden, aus Schweden und aus der Türkei hat die Forscherin Marah Blaurock von der Universität Hohenheim einen Katalog mit vier Konzepten sozialer Roboter untersucht, die psychisch labile Menschen in einsamen Stunden unterstützen könnten. In einer Mitteilung der Universität vom Montag werden die Kategorien Unterhalter, sozialer Wegbereiter, Mentor und Freund genannt.

Lebensqualität und Wohlbefinden verbessern

Die Forscher wollten eigenen Angaben zufolge herausfinden, ob und wie robotergestützte Helfer dazu beitragen können, menschliche Lebensqualität und Wohlbefinden zu verbessern. Gerade in der aktuellen Corona-Pandemie müsse man davon ausgehen, dass viele Menschen unter Vereinsamung leiden. "Der Einsatz von sozialen Robotern kann diese negativen Folgen möglicherweise verhindern oder zumindest minimieren", heißt es von der Uni Hohenheim.

Während der "Unterhalter-Roboter" der Zerstreuung diene und während Isolationsperioden vor allem ältere Erwachsenen und Kindern unterstütze, sei der "soziale Wegbegleiter" geeignet, über einen Bildschirm soziale Kontakte zu Freunden und Familie aufzubauen. Ein sogenannter Mentor-Roboter könne indes Aufgaben übernehmen, die der körperlichen Fitness dienen. Mit seiner Hilfe blieben ältere Menschen länger mobil und unabhängig. "Das gesamte Spektrum des Wohlbefindens wird jedoch wahrscheinlich nur von dem komplexesten Roboter-Typ, dem Freund, abgedeckt", schreiben die Wissenschaftler.

Soziale Isolation abmildern

Dieser vierte Typus könnte dem Menschen mit Fürsorge und emotionalem Trost dienen und dessen empfundene soziale Isolation abmildern. Während die beiden Typen "Unterhalter" und "sozialer Wegbereiter" im Prinzip schon marktfähig sind und von Unternehmen angeboten werden, muss der Mensch noch auf den "Mentor" und den "Freund" warten, wie Blaurock sagte. Diese beiden Typen müssten über eine starke psychische Intelligenz verfügen, die sich noch nicht problemlos in die Praxis umsetzen lasse. "Langfristig gesehen wird es aber auch diese Typen geben", fügte die Forscherin hinzu.

Gleichwohl gebe es aber auch Befürchtungen, "dass soziale Roboter die Pflegekräfte ersetzen könnten und sich dadurch die Einsamkeit noch verstärken würde", geben die Wissenschaftler zu bedenken.

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Universität Hohenheim