Magdeburg l Der Sommer bei Fortuna hatte nichts mit Gemütlichkeit zu tun. Das Transferkarussell nahm in der Fußball-Verbandsliga ein allgemein schwindelerregendes Tempo auf, so schnell sprangen dort Spieler auf und Spieler wieder ab. Beim Sportverein am Schöppensteg war das nicht anders. Nur dass mehr auf- statt abgesprungen waren und sich die Fortunen letztlich ihrer größeren Perspektive bedienten: dem eigenen Nachwuchs nämlich. „Der Verein leistet eine sehr gute Nachwuchsarbeit“, sagt Philipp Glage, der mit 31 Jahren der drittälteste Spieler im Kader von Trainer Dirk Hannemann ist.

Und wenngleich auch er noch vor dem Start in die Vorbereitung „schwer einschätzen“ konnte, ob ihn nun eine solide Saison mit der neuen Mannschaft oder ein großes Abenteuer erwarten würde, stellte er nach den ersten drei Wochen fest: „Wir haben ein sehr gutes Trainingsniveau, die Jungen werfen alles rein. Und sie hören auf die Alten.“

123 Treffer in der Verbandsliga

Alt wie Philipp Glage, was er natürlich nicht ist. Dennoch hat er einen Erfahrungsvorsprung von 13 Jahren. „Ich habe in meinem ersten Männerjahr die Chance genutzt, in der Oberliga zu spielen“, berichtet er. Und zwar in der Heimat, beim VfB Sangerhausen, wenngleich Glage bereits mit zwölf Jahren nach Magdeburg kam, beim FCM ausgebildet wurde, das Sportgymnasium besuchte.

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In der Oberliga 2007/08 kam er zu vier Einsätzen, Sangerhausen stieg ab. In seinem zweiten Jahr beim VfB kam er zu 22 Einsätzen und markierte vier Treffer, womit er zugleich seine Karriere als Torjäger in der höchsten Spielklasse des Landes einläutete: 123 Treffer hat er inzwischen im Statistikbuch notiert. Und wie viele sollen es noch werden? „Da schaue ich von Jahr zu Jahr“, sagt Glage und ergänzt lächelnd: „Meine Saisonplanung beginnt immer im April.“ Und dann hat auch die kleine Familie mit Partnerin Lisa und Töchterchen Ella natürlich ein Mitspracherecht.

Als Kommunikator gefragt

Das hat Glage auch bei Fortuna. Und es ist nicht so, dass Hannemanns Häuptling sich auch als Hannemanns rechte Hand sieht, wenngleich er mehr als in der vergangenen Saison, seiner ersten am Schöppensteg, wie auch Kapitän Bastian Benkel oder Marvin Windelband als Kommunikator gefragt ist. „Am Ende sind wir alle eine Mannschaft“, betont Glage. „Aber der Trainer spricht mich schon zu gewissen Themen an.“ Was einen guten Grund hat: „Wir haben schon bei Preussen zusammengearbeitet“, berichtet Glage. „Deswegen haben wir auch ein sehr gutes Vertrauensverhälnis.“

Vertrauen hat Hannemann auch allgemein in sein sehr junges Team mit einem Altersdurchschnitt von 22,3 Jahren. Obschon „man eben an der einen oder anderen Stelle merkt, dass noch die Erfahrung fehlt“, sagt Glage zum einen. Zum anderen „muss man ihre Unbekümmertheit nutzen, sie machen in der Offensive Dinge, mit denen der Gegner gar nicht rechnet“. Und eine Mischung aus der guten Ausbildung der Akteure und dem Überraschungsmoment ist dann auch dafür mitverantwortlich, dass Hussein Nayef, 20 Jahre, mit drei Toren derzeit bester Fortunen-Schütze nach sechs Spieltagen ist.

Vertrag bis 2021 bei Fortuna

Glage sagt, man muss den jungen Akteuren eben auch verzeihen können. „Die Erfahrung kommt mit den Jahren.“ So wie sie bei ihm mit den Jahren gekommen ist und in 246 Verbandsliga-Spielen für Sangerhausen, den 1. FC Magdeburg II, Burger BC, Union Schönebeck und eben Fortuna. Dass er im Sommer nicht gewechselt ist wie andere erfahrene Akteure, hat einen einfachen Grund: „Der Verein und ich haben uns vor der vergangenen Saison auf zwei Jahre vereinbart, und ich fühle mich hier wohl. Ich bin Magdeburger, und ich spiele gerne für Magdeburg.“

Und womöglich ist es auch für den Häuptling, wie ihn selbst Hannemann nennt, spannend zu sehen, wie sich die junge Mannschaft weiterentwickelt. „Der Verein hat sehr gute Strukturen geschaffen. Wenn wie zuletzt in jedem Jahr drei, vier talentierte Spieler aus dem eigenen Nachwuchs hochkommen, dann hat die Mannschaft in zwei oder drei Jahren eine große Chance, in der Verbandsliga eine gewichtige Rolle zu spielen.“

Nur Glage selbst wird zumindest heute im Spiel der Fortunen in Weißenfels (14 Uhr) keine Rolle auf dem Feld spielen. Ein fiebriger Infekt hatte ihn in dieser Woche umgeworfen. Seine Unterstützung ist der Mannschaft aber gewiss: „Ich werde den Jungs zu Hause die Daumen drücken.“