Paris (dpa) - Eines macht Thomas Tuchel derzeit nicht: seine Profis zutexten. Mit seinen Assistenten sei er im stetigen Kontakt, erzählt der Trainer von Paris Saint-Germain in einem Video-Interview des französischen Meisters.

Nicht so oft tauscht er sich indes mit seinen Spielern aus. "Ich lasse sie ein bisschen in Ruhe", erklärt Tuchel. Sie bekommen eine Nachricht mit den individuellen Trainingsprogrammen, während der Fußball auch in Frankreich wegen der Coronavirus-Pandemie ruht - das war's dann fast schon.

Seit dem 11. März hat PSG kein Spiel mehr bestritten, es war das 2:0 in Paris ohne Zuschauer in der Champions League gegen Tuchels ehemaligen Arbeitgeber Borussia Dortmund. Auch das hat er sich in der Zwangspause noch mal angeschaut. Was ihm jetzt aber gerade fehlt: die echten Emotionen bei den Spielen. Fünf Wochen seien es nun, "eine wirklich lange Pause", sagt Tuchel, er kann es selbst kaum glauben. Ein Ende ist nicht absehbar, was es auch für ihn schwer mache.

Also nutzt Tuchel die Zeit ein bisschen mit Lesen und Schlafen, berichtet der 46-Jährige, der in Deutschland bei seiner Familie ist. Allen gehe es gut, versichert Tuchel in die Laptop-Kamera. Er versuche, ruhig zu bleiben, sagt er. Tuchel räumt aber auch ein: "Es ist eine komische Situation, eine wirklich komische Situation."

Seit Juli 2018 trainiert Tuchel den reichen Pariser Verein mit Superstars wie Brasiliens Neymar oder Frankreichs Weltmeister Kylian Mbappé. Durch den Sieg im Rückspiel gegen die Dortmunder zog PSG ins Viertelfinale der Champions League ein. Wann das nun gespielt werden kann, ist offen. Der Titel in der europäischen Meisterklasse ist das große Ziel des Hauptstadtclubs. Es wäre das erste Mal.

Doch derzeit ruht der Ball, es gibt in Frankreich und der ganzen Welt andere Sorgen. Das weiß auch Tuchel, der in der Bundesliga vor dem BVB den FSV Mainz 05 trainiert hatte. Welche Botschaft er habe, wird er von der Interviewerin gefragt. "Das ist schwer", antwortet er. Es gebe Menschen, die eher autorisiert seien. Er sei doch nur ein Fußballtrainer.

In manchen Momenten habe man Angst, in anderen sei es leichter, sich der Situation anzupassen, sagt Tuchel dann. "Wir müssen stark bleiben und dürfen das Vertrauen nicht verlieren", betont er gegen Ende des rund sechsminütigen auf französisch geführten Gesprächs, das PSG auf seiner Homepage veröffentlichte. "Es ist nicht einfach, aber es ist möglich."

Interview

Details zu Tuchel auf PSG-Homepage