Berlin (dpa) - In einem irren Pokalkrimi hat Hertha BSC die Blamage gegen Dynamo Dresden verhindert und sich mit dem Achtelfinaleinzug auf das Stadtduell mit dem 1. FC Union eingestimmt.

Im eiskalten und fast ausverkauften Olympiastadion setzten sich die Berliner mit 5:4 (3:3, 2:2, 0:1) am Mittwochabend im Elfmeterschießen durch und erhielten ihren Traum vom Finale in der eigenen Arena am Leben. Mit zwei gehaltenen Elfmetern wurde Hertha-Keeper Thomas Kraft zum Hertha-Helden des Abends.

"Der Pokal ist dazu da, um eine Runde weiter zukommen", sagte Berlins Coach Ante Covic. "Es war ein überragender Kampf, den wir beide uns abverlangt haben", betonte er mit Blick auf die starken Dresdner. "Ein Abend, den wir nicht vergessen werden", twitterte die SGD.

Vor 70.429 Zuschauern und stimmungsvoller Pokal-Kulisse brachte Moussa Koné (36.) den kriselnden Zweitligisten aus Sachsen am Mittwochabend mit 1:0 in Führung. Hertha-Stürmer Dodi Lukebakio (48.) und Ondrej Duda (85./Foulelfmeter) drehten die ausgeglichene Partie zunächst. In einer irren Schlussphase der regulären Spielzeit glich der frühere Herthaner Patrick Ebert (90.) ebenfalls per Foulelfmeter für Dresden aus.

Nach dem 3:2 des eingewechselten Luka Stor (107.) feierten die Dynamo-Fans schon den vermeintlichen Sieg - Jordan Torunarigha (120.+2) ließ die Hertha-Anhänger über den späten Ausgleich jubeln. Für die Berliner war es drei Tage vor dem Bundesligaduell mit Stadtrivale Union der erste Pokal-Heimerfolg seit knapp acht Jahren. "Wir haben zwei Helden, Jordan und Thomas", meinte Hertha-Profi Marko Grujic.

"Dynamo, Dynamo", hallte es dennoch immer wieder durchs Olympiastadion, die Dresdner Fans feierten ihr Team trotz Pokal-Aus. Allerdings hatten sie nicht beim Gesang allein belassen und einige bengalische Feuer zu Beginn abgebrannt. Vor der Partie, die von 800 Polizisten abgesichert wurde, war es aber ruhig geblieben.

Auf dem Rasen ging's dafür direkt heiß her. Hertha versuchte, den Dresdnern einen frühen Stimmungsdämpfer zu verpassen. Einen Schuss von Marius Wolf konnte SGD-Keeper Kevin Broll nur abklatschen, den Nachschuss setzte Salomon Kalou drüber. Danach verpassten Lukebakio und Duda einen Treffer. Acht Minuten waren lediglich gespielt.

Mit Großchancen ging es erstmal weiter, Dresden mischte dabei aber schon gut mit. Die Berliner ließen nach ihrem starken Beginn nach, Dresden zog sich mit einer Fünferkette bei gegnerischem Ballbesitz zurück und lauerte auf Konter.

Einen davon vergab Koné noch, beim Führungstor ließ sich der 22 Jahre alte Senegalese nicht mehr bitten. Per Doppelpass düpierten er und Alexander Jeremejeff die Hertha-Abwehr, mit einem Lächeln spitzelte Koné den Ball am herausgeeilten Kraft vorbei, der wie geplant für Stammtorwart Rune Jarstein spielen durfte.

Dynamo, das mit Trainer Cristian Fiel vier Spiele in der zweiten Liga zuletzt verloren hatte und auf Platz 17 gegen den Abstieg kämpft, zeigte eine der besten Leistungen dieser Saison. Die Hertha lief trotz geballter Offensiv-Power einem Rückstand hinterher.

Aber nicht allzulange. Wieder mal war Rekordeinkauf Lukebakio zur Stelle, als er kurz nach dem Seitenwechsel aus vier Metern traf - das dritte Tor von Lukebakio im dritten Pflichtspiel nacheinander. Was auch immer Coach Ante Covic seiner Mannschaft gesagt hatte, es wirkte. Hertha spielte wie verwandelt, angetrieben von Duda drängten die Hausherren die Dresdner zunächst in deren Hälfte.

Pech hatten sie mit einem Latten- und einem Pfostentreffer binnen drei Minuten, weitere Chancen folgten. Ein weiteres Tor ließ aber auf sich warten, bis Dynamo-Kapitän Niklas Kreuzer kurz vor Schluss Lukebakio auf der Strafraumlinie von den Beinen holte und Duda sicher den Elfmeter verwandelte. Aber dann das: Auf der Gegenseite drückte Nationalspieler Niklas Stark Koné ungestüm zu Boden und der Ex-Herthaner glich aus. Verlängerung. Und die Jubelexplosion der Dynamo-Fans beim Tor von Stor. Und dasselbe auf Hertha-Seite in der Nachspielzeit durch den erneuten Ausgleich. Die Entscheidung fiel im Elfmeterschießen.

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