Belgrad (dpa) - Steve Clarke musste sich die Tränen verkneifen, als er nach diesem denkwürdigen Abend im strömenden Belgrader Regen vor die Presse trat.

Der Trainer der schottischen Nationalmannschaft hatte gerade Großes erreicht: Mit einem dramatischen 5:4 im Elfmeterschießen gegen Serbien qualifizierten sich die Bravehearts für die Fußball-EM im kommenden Sommer. Das erste große Turnier seit 23 Jahren. Und das als Co-Gastgeber - die Gruppenspiele gegen Tschechien und Kroatien steigen in Glasgow, dazu das Nachbarduell in London mit England.

Nun stand Clarke, den mit seiner Baumstamm-Statur eigentlich nichts aus der Ruhe zu bringen scheint, mit stockender Stimme vor den Kameras. "Ich hatte ein kleines Glimmern in den Augen. Aber ich habe es geschafft, meine Emotionen zu kontrollieren", beschrieb er den Moment des Triumphs. Den Moment, als Torhüter David Marshall vom englischen Zweitligisten Derby County den entscheidenden Elfmeter von der Linie kratzte und Schottland in kollektiven Jubel ausbrach.

Schottland habe "22 Jahre des Schmerzes beendet", jubelte die Zeitung "The Scotsman". Das letzte große Turnier für den britischen Landesteil mit seinen rund 5,5 Millionen Einwohnern war die WM 1998 in Frankreich. Auch in dieser EM-Qualifikation scheiterten die Schotten zunächst, qualifizierten sich erst über die Playoffs der Gruppensieger der Nations League 2018/19. Und im entscheidenden Spiel gegen die Serben stand der Sieg auf Messers Schneide. Nach der Führung (52.) kassierte Clarkes Team in der 90. Minute den Ausgleich und musste durch Verlängerung und Elfmeterschießen.

"Normalerweise scheitern wir an der finalen Hürde", sagte Clarke. Dass es klappte, sorgte bei den Spielern für ausgelassene Tänze in der Kabine und zumindest bei Mittelfeldspieler Ryan Christie für ein tränenreiches Interview nach dem Spiel. Und auch Clarke kündigte an: "Vielleicht weine ich dann, wenn ich später in meinem Zimmer bin."

© dpa-infocom, dpa:201113-99-323256/2

Kabinenszenen nach dem Spiel

Interview Steve Clarke

Scotsman-Bericht