Köln (dpa) - Für einen Geschlagenen riskierte Florian Kohfeldt eine ziemlich dicke Lippe.

Mit dem kaum auf Bundesliga-Niveau ausgetragenen 0:1 (0:1) beim 1. FC Köln mag Werder Bremen mit 14 Pünktchen die schlechteste Hinserie der Club-Historie perfekt gemacht haben und auf dem vorletzten Platz überwintern - am Selbstbewusstsein seines kessen 37 Jahren alten Trainers änderte dies nichts. "Es war eine wirklich schlechte Hinrunde aus verschiedensten Gründen. Aber ich kann ihnen sagen, dass wir kämpfen werden und dass wir nicht absteigen werden", versprach Kohfeldt. "Wir haben einen klaren Plan vor Augen. Wir werden es schaffen."

Selbst Kohfeldts Kölner Kollege Markus Gisdol schaute da von seinem Datenzettel auf und zuckte leicht zusammen. Obwohl der FC gerade den dritten Sieg binnen einer Woche eingefahren und Werder damit in der Tabelle mit nun 17 Punkten leicht distanziert hatte, wäre dem 50-Jährigen derartiges niemals über die Lippen gegangen. "Wir wären ja nicht in Köln, wenn einige nicht schon wieder das Träumen anfangen würden. Ich kann nur sagen: Ganz ruhig bleiben", meinte Gisdol. "Unser Ziel ist es, Ende Mai hier zu stehen und zu sagen: Wir haben es geschafft und dürfen noch eine Saison Fußball-Bundesliga spielen."

Beide Teams begegneten sich auf demselben Fußball-Niveau, könnten aber kaum unterschiedlicher mit der Situation im Abstiegskampf umgehen. Während der Aufsteiger von Anfang an wusste, nur um den Klassenverbleib zu spielen, waren die Bremer Ambitionen nach der nur knapp verpassten Europapokal-Qualifikation im Sommer andere. Vier Niederlagen in Serie mit 13 Gegentoren lassen Werder nun aber in der Abstiegsregion überwintern. "Wir sind in einer sehr bedrohlichen Situation", sagte Aufsichtsratsboss Marco Bode wenig überraschend.

Die üblichen Marktmechanismen greifen in Bremen indes nicht. Mit stoischer, hanseatischer Gelassenheit versuchen die Bremer, die Situation zu meistern. Die Auswechselung der sportlichen Führung, wie sie der aufgeregte FC im November vollzog, wäre in Bremen undenkbar. "Wir werden zusammen halten in dieser Konstellation. Auch in der Führung", sagte Bode. Das Bekenntnis zu Kohfeldt war bekannt. Neu ist aber die demonstrative Rückendeckung für Sportchef Frank Baumann, der zuletzt wegen der Kaderzusammenstellung kritisiert worden war.

In der Tat mag man sich fragen, ob Werder sich nach dem ablösefreien Abgang von Ex-Nationalspieler Max Kruse zu Fenerbahce Istanbul ausreichend für die Zeit danach gewappnet hat. Kohfeldt erinnerte dabei dezent an den langfristigen Ausfall des eigentlich als Ersatz geholten Niclas Füllkrug. Der frühere Hannoveraner fehlt noch längere Zeit wegen eines Kreuzbandrisses. Dazu kommen etliche andere Verletzte, die mit zur aktuellen Misere beitrugen. "Wir konnten bis Oktober nicht vernünftig trainieren", haderte Kohfeldt, wollte dies aber ausdrücklich nicht als Entschuldigung verstanden wissen. Baumann jedenfalls treffe sicher keine Schuld: "Das kommt manchmal echt viel zu kurz, was der Baumi für einen wichtigen und guten Job macht."

Zu allem Übel zog sich Linksverteidiger Ludwig Augustinsson in Köln einen Muskelfaserriss im hinteren rechten Oberschenkel zugezogen. Das ergab eine MRT-Untersuchung beim 25 Jahre alten Schweden, wie die Bremer am Sonntag mitteilten. Augustinsson war bereits zu Beginn der Saison länger ausgefallen und hatte erst am 12. Spieltag seine erste Partie der laufenden Spielzeit bestritten.

Wie gut Baumann wirklich ist, dürfte sich zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung nun entscheiden. Denn jetzt sollen neue Spieler her. "Frank und sein Team werden intensiv über Veränderungen nachdenken", kündigte Bode an. "Natürlich bleibt Werder Bremen Werder Bremen. Wir werden nichts unvernünftiges machen. Aber wir werden alles realisieren, was die Wahrscheinlichkeit erhöht, erfolgreich zu sein."

Diese Wahrscheinlichkeit wurde in Köln gänzlich anders bewertet. Der FC reagierte mit der Trennung von Sportchef Armin Veh und Trainer Achim Beierlorzer. Die unterschiedlichen Gremien mussten sich teilweise vor allem für die Trainer-Kür von Gisdol beschimpfen lassen. Dass dieser nach mäßigem Start nun binnen einer Woche in drei Spielen mehr Punkte holte als der FC in 14 Spielen zuvor, überraschte Gisdol selbst: "Das hätte ich auch nicht vorhersagen können."

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