Wolfsburg (dpa) - Zwischen Traumtor und schwerem Fehler vergingen nur fünf Minuten. So ein Extrem war selbst für Alassane Plea neu. Der Stürmer von Borussia Mönchengladbach kam vor der Saison für rund 23 Millionen Euro aus Nizza, obwohl er für noch mehr Geld auch nach England hätte gehen können.

Sein neuer Arbeitgeber setzte ihn dann erst einmal auf die Bank, obwohl die Borussia in ihrer stolzen Vereinsgeschichte nie zuvor eine so hohe Ablösesumme in nur einen einzigen Spieler investiert hatte. Für den 25 Jahre alten Franzosen folgten danach drei Tore in nur vier Bundesliga-Spielen - und das denkwürdige 2:2 (1:1) an diesem Samstag beim VfL Wolfsburg.

In der siebten Minute schoss Plea mit viel Effet das 1:0 für sein Team. Aber schon in der zwölften Minute spielte er dem Wolfsburger Renato Steffen den Ball vor dessen 1:1 unbedrängt in die Füße. Die Gladbacher ließen in diesem Spiel zwei Punkte liegen, weil sie ihre 1:0- und später auch 2:1-Führung jeweils schon nach kurzer Zeit wieder leichtfertig herschenkten.

"So ist Fußball", sagte Plea selbst dazu. Der Nationalspieler Matthias Ginter wurde da schon etwas deutlicher: "Gefühlt war heute auf jeden Fall mehr drin. Es ist ärgerlich, dass wir nur einen Punkt mitgenommen haben."

Am nächsten Samstag tritt die Borussia im Bundesliga-Klassiker beim FC Bayern München an. Genau die beiden Punkte, die Gladbach in Wolfsburg noch aus der Hand gab, trennen die beiden Rivalen der 70er-Jahre jetzt in der Tabelle. Nach sechs Spieltagen stellt sich bei Plea im Kleinen eine ähnliche Frage wie bei den Gladbachern im Großen und Ganzen? Wie viel Potenzial sitzt dort tatsächlich? Kann auch die Mannschaft von Dieter Hecking in der nächsten Woche die Bayern ärgern oder ist sie nach zwei enttäuschenden Jahren und der Umstellung auf ein neues Spielsystem noch auf der Suche nach Stabilität?

Der Trainer selbst lobte die Gladbacher Entwicklung am Wochenende ausdrücklich. "Ich finde, es sieht nicht schlecht aus, wenn ich auf die Tabelle schaue", sagte Hecking. "Unser Auftaktprogramm war anspruchsvoll. Wir hatten drei unbequeme Auswärtsspiele in Augsburg, Berlin und Wolfsburg. Und wir haben zu Hause drei Mal gegen Mannschaften gewonnen, die uns in dieser Saison in Europa vertreten. Mit den elf Punkten bin ich sehr einverstanden. Wenn wir nächste Woche immer noch unter den ersten Vier sind, wäre mir das recht."

Auch über seinen Rekordeinkauf Plea sagte der 54-Jährige laut "Bild am Sonntag": "Mit seiner Entwicklung sind wir sehr zufrieden. Schade, dass er vor dem 1:1 den Gegenspieler übersehen hat." Weitere Schwachpunkte blendete Hecking großzügig aus.

Dass seine "Fohlen" zu Hause zwar im Moment jeden Gegner überrennen, dafür aber auswärts seit mehr als sieben Monaten kein Spiel mehr gewonnen haben. Und dass sich bei seiner Mannschaft offenbar schnell eine gewisse Zufriedenheit einschleicht. Vor einer Woche in Berlin lag die Borussia nur fünf Minuten nach ihrem Tor zum 1:0 auf einmal 1:2 zurück. Und auch in Wolfsburg hielt keine Gladbacher Führung länger als elf Minuten. Der Treffer von Thorgan Hazard (48.) war schon nach weniger als einer Stunde wieder egalisiert durch Wout Weghorst (59.).

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