Berlin (dpa) - Für Jürgen Klinsmann ist es ein "Mega-Projekt", Investor Lars Windhorst sieht in Berlin einen kommenden "Big City Club". Die graue Realität heißt bei Hertha BSC aber Krisenbewältigung und Trainerdebatte statt Gedankenspiele über eine mögliche große Zukunft.

Nach vier Bundesliga-Niederlagen in Serie wird der Retter für den auf Rang 15 abgestürzten Hauptstadtclub gesucht. Ein Überblick der gehandelten Kandidaten - und was für und gegen sie spricht:

NIKO KOVAC: Nicht nur für viele Fans der Wunschkandidat. Bei einem Treffen mit Anhängern kurz nach dem Derby-Fehlschlag beim 1. FC Union erhielt ein Wortbeitrag, der den Ex-Herthaner als Nachfolger forderte, größte Zustimmung. Zumindest kurzfristig steht der 48-Jährige für eine Heimkehr in seine Geburtsstadt, wo er bereits acht Saisons für Hertha spielte, nicht zur Verfügung. Informationen der Deutschen Presse-Agentur zufolge will Kovac in der laufenden Saison keinen Trainerposten übernehmen, um Abstand zu gewinnen. Zuvor hatte der "Kicker" darüber berichtet. Pikant wäre zudem: Kovac ist der Patenonkel von Covic' 21 Jahre altem Sohn Maurice, der auch zum Hertha-Profikader gehört.

HARALD GÄMPERLE: Vor dieser Saison holte Hertha den 51 Jahre alten Schweizer als Assistenten zurück nach Berlin und komplettierte damit das Trainerteam von Covic, zu dem auch Mirko Dickhaut gehört. Gämperle würde die für einen Interimscoach notwendige Erfahrung besitzen. 2007 kam er mit Lucien Favre für gut zwei Jahre zu Hertha, arbeitete danach unter anderem mit dem heutigen Union-Coach Urs Fischer zusammen. Brisant: Sollte Gämperle als Kurzfrist-Lösung übernehmen, könnte er seinen früheren Chef Favre im direkten Duell mit Borussia Dortmund am Samstag (15.30 Uhr/Sky) stürzen. Aus dem Nachwuchsbereich wäre U23-Coach Zecke Neuendorf Erster in der Rangfolge der möglichen Interims-Nachfolger.

JÜRGEN KLINSMANN: Spätestens seitdem der frühere Bundestrainer vor knapp drei Wochen als Bevollmächtigter der Tennor Holding von Geldgeber Windhorst in den Aufsichtsrat berufen wurde, ist der Name Klinsmann bei Hertha allgegenwärtig. Bereits die vergangenen beiden Spielzeiten sah der 55-Jährige viele Partien, da sein Sohn Jonathan im Kader der Berliner stand. Gut zehn Jahre nach seinem krachenden Scheitern als Bayern-Coach gilt eine Rückkehr als Trainer nach Deutschland als eher unwahrscheinlich. Wie der "Kicker" unter Berufung auf das Umfeld von Klinsmann berichtete, ist eine Kurzzeit-Bundesligarückkehr aber nicht komplett ausgeschlossen. Ein wichtiges Wort über die Zukunft wird dieser in seiner neuen Funktion mitsprechen.

PAL DARDAI: Nach knapp viereinhalb Jahren endete im vergangenen Sommer die Zeit als Hertha-Cheftrainer für den Ungarn. Die Vereinsbosse und Manager Michael Preetz vermissten eine spielerische Entwicklung, Dardai stand für soliden, defensiv geprägten Fußball. Der 43-Jährige besitzt weiter einen Trainervertrag bei den Berlinern, soll eigentlich im Sommer 2020 wieder eine noch nicht näher definierte Position im Nachwuchsbereich übernehmen. Selbst eine übergangsweise Rückkehr auf den Cheftrainerposten wäre für Preetz nun das Eingeständnis eines Fehlers - zudem galt das Verhältnis der beiden zum Ende der Amtszeit Dardais als angespannt.

WEITERE KANDIDATEN: Sollte der Club das Experiment mit dem früheren Nachwuchscoach Covic beenden, dürfte die Sehnsucht nach Sicherheit groß sein. Der "Kicker" berichtete, dass eine mögliche Bereitschaft vom Ex-Wolfsburger Bruno Labbadia abgefragt worden sei. Als möglicher Anwärter besitzt zudem Roger Schmidt aus seiner Zeit bei Bayer Leverkusen Bundesligaerfahrung. Der Coach, der zuletzt in Peking tätig war, verfolgt zudem einen fußballerisch offensiven Ansatz.

ANTE COVIC: Eigentlich verbietet der desaströse Auftritt beim 0:4 beim FC Augsburg ein Weiter so. Covic selbst präsentierte sich am Montag zwar kämpferisch, aber doch ohne Illusionen. Nur wenn andere Optionen nicht verfügbar oder realisierbar sein sollten, dürfte der Profitrainer-Novize noch eine Chance erhalten.

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