Darmstadt (dpa) - Es ist ganz egal, ob das Spiel zwischen Darmstadt 98 und dem 1. FC Köln an diesem Freitag 0:0 oder eher 5:4 ausgehen wird. Ein Teil der Aufmerksamkeit wird sich so oder so auf den Grillstand hinter der Haupttribüne richten.

Dort will Andrea Petkovic für die Fans ein paar Würstchen brutzeln. Die Tennisspielerin kommt aus Darmstadt und löst auf diesem Weg eine Wettschuld ein. Es ist eine Riesensache, dass ein Weltstar so etwas von selbst angeboten hat. Vielleicht bleiben ja am Ende noch vier Würste für das Trainerteam übrig, hofft Lilien-Coach Dirk Schuster.

Diese Geschichte zeigt, dass man sich beim Überraschungs-Aufsteiger auch durch vier Spiele ohne Sieg noch lange nicht den Spaß am Bundesliga-Fußball verderben lässt. Die meisten Beobachter werten diese kleine Serie als durchaus ernstzunehmende Schwächephase, die das Team am Freitagabend (20.30 Uhr) zum ersten Mal seit dem Durchmarsch von der Dritten in die Erste Liga ein wenig unter Druck setzt. Doch Schuster sagte dazu nur: Für mich ist das alles Käse. Wir sind mit 14 Punkten aus 13 Spielen voll im Soll. Wir wollen es wieder besser machen und den Kölnern einen heißen Tanz liefern.

Natürlich hilft es den Lilien, dass ihr Trainer in dieser Situation total unaufgeregt bleibt, wie Mittelfeldspieler Peter Niemeyer lobt. Natürlich hilft es ihnen auch, dass wir als Mannschaft so stabil und gefestigt sind, wie sein Teamkollege Marcel Heller ergänzt. Neben all den bekannten Qualitäten dieses ungewöhnlichen Aufsteigers kommt aber häufig zu kurz, dass dort mittlerweile auch genügend erstliga-erfahrene Profis spielen. Niemeyer, Jan Rosenthal, Konstantin Rausch und auch der nach abgelaufener Gelbsperre wieder einsetzbare Sandro Wagner: Die Lilien haben längst eine Reihe von Spielern, die sich mit schwierigen Situationen auskennen.

Und am Ende ist da immer noch Schuster selbst. 200 Bundesliga-Partien bestritt er als aktiver Spieler. Nach seiner Rückkehr ins Fußball- Oberhaus trifft er dort Woche für Woche jemanden, den er noch von früher kennt. Mit Kölns Trainer Peter Stöger etwa spielte er mal für kurze Zeit beim österreichischen Club Admira Wacker Mödling zusammen. Beim FC selbst stand er von 1997 bis 1999 unter Vertrag, als die Zeiten mit dem ersten Bundesliga-Abstieg der Vereinsgeschichte und dem verpassten Wiederaufstieg noch deutlich unruhiger waren.

Das waren zwei lehrreiche Jahre, sagte Schuster dem Kölner Stadt- Anzeiger. Ich habe neue Erfahrungen gemacht, vom Umfeld und von der Medienlandschaft her. Für die Menschen in Köln gab es nur Schwarz oder Weiß. Ein Sieg, und man träumte vom Europapokal. Eine Niederlage, und man sah den FC in der zweiten Liga.

Umso bemerkenswerter findet er, was sein früherer Kollege Stöger sowie Sportdirektor Jörg Schmadtke mittlerweile aus dem FC gemacht haben. Sie lassen Kontinuität walten, arbeiten total unaufgeregt und ziehen ihren Stiefel durch. Das war in Köln nicht immer so, sagt Schuster. Ich bin mir sicher, dass die Kölner eine sehr gute Saison spielen und ihre Ziele erreichen werden.

Stöger gibt die Komplimente gern zurück. Es wird eine schwere Aufgabe, sagt er. Wir sind aber zuversichtlich und freuen uns auf das Spiel. Auch mit dem speziellen Charme des Böllenfalltor-Stadions hat er kein Problem: Als Österreicher bin ich es eh nicht gewohnt, jede Woche in einer Luxus-Arena zu spielen.