Hannover (dpa) - Unerwartet leicht hat Hannover 96 den zweiten Heimsieg gefeiert. Im Premieren-Duell mit Aufsteiger Ingolstadt gewannen die Niedersachsen nach einem Blitzstart mit 4:0 (3:0) und sicherten dem Trainer ruhigere Tage bis zur Winterpause.

Es war ein wunderbares Gefühl, sich in der 88. Minute mal hinzusetzen und zu sehen, dass nichts mehr passieren kann. Das habe ich in dieser Form in Hannover auch noch nicht erlebt, kommentierte 96-Coach Michael Frontzeck genüsslich den höchsten Sieg seiner Amtszeit. 

Der Sieg Ingolstadt war auch für den Trainer persönlich das, was im Fußball-Deutsch als Befreiungsschlag gewertet wird. Der Bundesliga-Coach sprach von einem elementar wichtigen Spiel, was nicht nur für den Verein, sondern mehr noch für ihn selber galt. Frontzeck darf nun bis zur Winterpause in Ruhe weiterarbeiten - und dann will 96 personell nachrüsten und mindestens drei neue Spieler holen.

Die Treffer von Marcelo (5.), Leon Andreasen (11.), Kenan Karaman (24.) und Uffe Bech (85.) wirkten wie eine Arbeitsplatz-Garantie für den in die Kritik geratenen Fußball-Lehrer. Frontzeck neigte dazu, die bis Samstag fast durchgehend enttäuschenden Leistungen seiner Profis schön zu reden und auf allzu kritische Worte zu verzichten. Die Spieler scheinen ihm das zu danken. Zumindest sagte der gegen Ingolstadt starke Karaman über den Coach: Er stärkt uns immer den Rücken. Da sei es schön, auch mal etwas zurückzugeben.

Dass es gegen den bis dato starken Aufsteiger so leicht wird, überraschte auch die Spieler. Das war im Vorfeld nicht unbedingt abzusehen, kommentierte 96-Kapitän Christian Schulz und nannte den Sieg lebenswichtig. Hannover nutzte die Verwirrung in der FC-Abwehr effektiv und schnell aus und arbeitete in der Defensive konzentriert.

Der Routinier fand auch: Das war unser bestes Spiel in diesem Kalenderjahr. Was stimmte, aber angesichts der Vorleistungen nicht sonderlich schwer war - und durch den völlig indisponierten Gegner erst möglich wurde.

Mit teilweise drastischen Worten kommentierten die Ingolstädter ihre Leistung beim zweiten 0:4 seit dem Aufstieg in die Bundesliga. Dass das scheiße war, hat jeder gesehen, sagte Benjamin Hübner. Und sein Abwehrpartner Marvin Matip drückte es nicht weniger deutlich aus: Das war ein Schlag in die Fresse, vielleicht kommt der aber genau richtig.

In der einseitigen Partie kam Ingolstadt zu keiner echten Torchance. 96-Keeper Ron-Robert Zieler, sonst meistens unter Dauerbeschuss, erlebte einen überraschend ruhigen Arbeitstag und musste nicht einmal ernsthaft eingreifen.

Das war schon eine Lehrstunde, sagte FC-Trainer Ralph Hasenhüttl: Wir waren noch nie so unterlegen wie heute. Dass seine Spieler nach einer bisher guten Premierensaison den zuvor schwachen Gegner unterschätzt haben könnte, glaubte er nicht.

Hasenhüttls Gedanken waren eher grundsätzlicher. Wenn nicht alles passt, haben wir in der Liga nichts zu melden, kommentierte der österreichische Coach. Es klang schon fast ein bisschen sarkastisch als er sagte: Das war ein schöner Anschauungsunterricht, was passiert, wenn wir keinen guten Tag haben.

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