Gelsenkirchen (dpa) - Der Ärger über den Last-Minute-Schock war schnell verraucht. Die in der Nachspielzeit vertane Chance, erstmals seit neuneinhalb Jahren wieder die Bundesliga-Spitze zu erobern, konnte die gute Stimmung beim FC Schalke nur für kurze Zeit trüben.

"Es wäre schön gewesen, dass man da mal runter lacht für einen kurzen Moment, aber im Endeffekt ist es auch scheißegal", kommentierte Torjäger Guido Burgstaller nach dem 1:1 (0:0) gegen den 1. FC Köln. Ähnlich gelassen bewertete Trainer David Wagner den späten Ausgleichstreffer von FC-Kapitän Jonas Hector: "Ich kann Enttäuschungen relativ schnell ablegen - genau wie Glücksgefühle."

Es passte ins Bild der neuen Schalker Harmonie, dass auch die Anhänger des von Wagner reanimierten Revierclubs nach erstem Frust positiv reagierten und das Team am Ende der umkämpften Partie mit Applaus bedachten. "Für die Fans, für uns, für den ganzen Verein wäre es großartig gewesen, wenn wir das Spiel gewonnen hätten und an der Tabellenspitze gewesen wären", sagte Mittelfeldspieler Omar Mascarell, verwies aber umgehend auf den positiven Trend der vergangenen Wochen: "Wir haben da oben alle dieselbe Punktzahl. Wenn du genauso viele Punkte wie der Tabellenführer hast, heißt das, dass du gut arbeitest."

Nach der nur auf Rang 14 abgeschlossenen vergangenen Saison wähnen sich die Schalker zurück auf Kurs. Dass sie selbst mit höher gehandelten Teams wie Bayern München, RB Leipzig und Bayer Leverkusen gleichauf liegen, erfüllt auch Sportvorstand Jochen Schneider mit Stolz: "Die Tabellenposition ist im Moment völlig unwichtig. Es geht um die Entwicklung. Die Art und Weise, wie wir in den sieben Spielen aufgetreten sind, war das, was wir sehen wollen."

Wie von Wagner schon nach dem 3:1-Coup eine Woche zuvor in Leipzig empfohlen, tun die Schalker gut daran, sich weiter in Bescheidenheit zu üben. Denn der über weite Strecken dürftige Auftritt gegen Köln, der nach dem Führungstreffer von Suat Serdar (72.) fast mit dem fünften Sieg in Serie belohnt worden wären, offenbarte spielerische Mängel. Deshalb sah sich der Trainer in seiner Einschätzung bestätigt: "Wir machen viele Sachen gut, aber nicht alle. Auch dieses Spiel nehmen wir, um weiter zu lernen."

Anders als die Schalker feierten die Kölner das 1:1 wie einen Sieg. So sprinteten Trainer Achim Beierlorzer und Torhüter Timo Horn nach dem Schlusspfiff fast über den ganzen Platz, um sich bei Torschütze Hector zu bedanken. Nach zuletzt drei Niederlagen mit 0:9 Toren machte sich große Erleichterung breit: "Für uns war es ein außerordentlich wichtiger Punkt und von großer Bedeutung, den Glauben an die eigene Stärke zu bewahren", befand Beierlorzer. Ähnlich sah es Abwehrspieler Rafael Czichos: "Das Unentschieden war unfassbar wichtig für die Moral."

Mit großer Leidenschaft setzte das Team den Wunsch des Trainers nach einer höheren Laufleistung als beim bitteren 0:4 eine Woche zuvor gegen Hertha BSC um. Und hätte Schalke-Keeper Alexander Nübel nicht bei gleich drei Großchancen der Kölner prächtig reagiert, wäre sogar der zweite Saisonsieg möglich gewesen. Immerhin bewahrte Hectors Kopfball den FC vor einer weiteren Schlappe. "Ich wäre vom Glauben abgefallen, wenn wir hier nichts geholt hätten", kommentierte Schlussmann Horn.

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