Stuttgart (dpa) - Markus Weinzierl braucht immer ein wenig länger. Das war schon vor einigen Jahren beim FC Augsburg so.

Nachdem Weinzierl 2012 Trainer beim FCA geworden war, beendete er seine erste Hinrunde in der Fußball-Bundesliga mit mageren neun Punkten - erst in der Zeit danach formte er aus den bayerischen Schwaben sogar einen Europapokal-Club. Vier Jahre später misslang ihm auch beim FC Schalke 04 der Saisonstart mit fünf Niederlagen, ehe sich das Team stabilisierte. Mit der Geduld für Weinzierl war es am Saisonende dennoch vorbei. Und auch jetzt beim VfB Stuttgart brauchte Weinzierl einen langen Anlauf.

Er muss schmunzeln, als er zwei Tage vor dem Auswärtsspiel gegen Borussia Dortmund am Samstag (15.30 Uhr/Sky) darauf angesprochen wird. "Jede Startsituation hatte in meinen Augen verschiedene Gründe", sagte der 44-Jährige. "Beim VfB war es so, dass er Letzter war, als ich kam. Dann ist der Start nicht gelungen, und dann nimmt das eine brutal negative Dynamik an, eine Abwärtsspirale." Lediglich vier Siege aus seinen bisher 17 Spielen mit dem VfB sprechen auch jetzt nicht für ihn. Aber es hat sich etwas verändert in den vergangenen Wochen. "Ich finde, dass wir seit drei, vier Spielen eine gute Tendenz, eine gute Stabilität haben", meinte Weinzierl.

Tatsächlich fand Weinzierl vor kurzer Zeit das, wonach er so lange gesucht hatte: ein funktionierendes System. Dank der Umstellung auf eine Dreierkette in der Abwehr hat sich auch das Mittelfeld stabilisiert, weil damit vor allem die lange herbeigesehnte Hauptrolle für Gonzalo Castro gefunden wurde. Der in den Anfangsmonaten beim VfB enttäuschende Routinier überzeugt als zentraler Mann vor der Dreierkette und ist ein wesentlicher Grund dafür, weshalb die Schwaben trotz ihrer Abstiegssorgen nun sogar von einer Überraschung bei Castros Ex-Club in Dortmund träumen.

"Wir sind jetzt an dem Punkt, dass wir glauben, eine Mannschaft gefunden zu haben", sagte Weinzierl. Das sei der Vorteil von Kontinuität, "wenn du was entwickeln kannst". Weinzierl weiß, dass die Zeit im Profifußball normalerweise knapp bemessen ist. Eine Niederlage gegen Hannover 96 am vergangenen Wochenende hätte wohl sein Aus besiegelt. Stattdessen dürfen die Fans nun auf einen ähnlichen Aufschwung wie vor einigen Jahren beim FC Augsburg hoffen.

Aber Weinzierl warnte. "Zufriedenheit haben wir nicht, weil wir unseren Zielen hinterherhinken", sagte er. "Aber wir haben jetzt Fahrt aufgenommen. Zum Schluss zählt aber nur, ob wir unser Ziel erreichen." Und das ist der Klassenverbleib. Ohne den wäre beim VfB alles nichts, egal wie positiv der Trend ist. Zwei Punkte trennen die Schwaben aktuell vom ersten Nicht-Abstiegsplatz. Ein unerwarteter Erfolg beim Spitzenreiter würde nicht nur für Weinzierl die Situation deutlich entspannen. "Aber es wird brutal schwer, dort zu bestehen. Wir sind der klare Außenseiter. Aber wir werden uns zerreißen."

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