Wiesbaden (dpa) - Bei ihrem Wechsel nach England freute sich Melanie Leupolz auch auf volle Stadien und die sagenumwobene englische Fußball-Kultur.

Beides kann sie nun angesichts der Corona-Krise nur sehr bedingt genießen. Ihren mutigen Sprung von der gewohnten und heimischen Umgebung beim FC Bayern München hin auf die Insel zum FC Chelsea hat sie trotzdem nicht bereut. "Ich habe schon einen professionellen Verein erwartet, aber das hat noch mal meine Erwartungen übertroffen", berichtete Leupolz begeistert in einer Presserunde des Deutschen Fußball-Bundes.

Wenn die 26 Jahre alte Allgäuerin vom Fußball in England erzählt, gerät sie regelrecht ins Schwärmen. Die Trainingsmethoden, die statistische Erfassung der Leistung, das Drumherum, das Umfeld im Verein: Alles ist tipptopp organisiert. Leupolz ist angetan, was sie in London an Möglichkeiten vorfindet und wie der Verein ihrer männlichen Kollegen Kai Havertz und Timo Werner auch den Frauenfußball vorantreibt. "Man sieht, dass die Qualität in England enorm groß ist", betont Leupolz mit Blick auf den sportlichen Aspekt.

Nun kehrt Leupolz für ein ganz besonderes Länderspiel zurück in die Heimat. Die deutsche Nationalmannschaft trifft am Dienstag (16.00 Uhr/ARD) auf England, doch abgesehen von der Paarung ist nicht mehr viel so wie vor einem Jahr. Wiesbaden statt Wembley, 50 Angehörige statt 77 768 frenetischen Fans: Die Corona-Krise hat auch das Aufeinandertreffen der beiden Frauenfußball-Schwergewichte verändert. "Die Rivalität ist ähnlich wie mit den Amerikanerinnen. Es sind immer sehr spannende Spiele", sagte Kathrin Hendrich vor dem Duell des potenziellen WM-Gastgebers 2027 mit dem EM-Ausrichter 2022.

Bei den vergangenen beiden großen Turnieren schaffte es England jeweils ins Halbfinale und der langjährige Dauersieger Deutschland nicht. Leupolz sieht durchaus Gründe und einen gesamtheitlichen Ansatz, warum sich der Frauenfußball auf der Insel so prächtig entwickelt. "Von der grundsätzlichen Professionalisierung bin ich sehr beeindruckt. Ich habe bisher nur in sehr schönen Stadien gespielt. Man kann in einer App die Stadien bewerten, das ist auch Druck für kleinere Vereine, dass sie dort gut abschneiden wollen", sagte die Mittelfeldspielerin.

Mit ihrer offenen Art hat Leupolz das Umfeld bei den Blues gleich begeistert. Mit ein paar weiteren Zoom-Calls, einem Erste-Hilfe-Kurs und einer Trainingseinheit, die sie bei einer Mädchen-Mannschaft des Vereins zu leiten hat, kümmert sie sich derzeit bereits um ihren Trainerschein.

Leupolz erzählt, sie hätte angesichts ihrer noch nicht perfekten Englisch-Kenntnisse ja gerne noch ein Jahr damit gewartet, doch das habe nicht geklappt: "Die waren so euphorisch, da konnte ich nicht sagen, ihr habt mich falsch verstanden." Wenn irgendwann wieder mehr Fans in den Stadien erlaubt sind, dürfte sich die Deutsche in der britischen Hauptstadt längst an viele andere Vorzüge gewöhnt haben.

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