San Sebastian (dpa) - Als Pernille Harder noch klein war, war sie die Einzige. "Bis ich elf Jahre alt war, habe ich mit Jungen zusammengespielt", erzählte die Torjägerin des VfL Wolfsburg mal dem britischen "Guardian".

In ihrer dänischen Heimat gab damals einfach kein Team für Mädchen. Ausgemacht hat ihr das nichts, im Gegenteil. "Auch wenn ich das einzige Mädchen war, wollten alle mit mir spielen." Und das hat sich nicht verändert - am Sonntag wurde die aus einer starken VfL-Mannschaft herausragende 27-Jährige zu Deutschlands "Fußballerin des Jahres" gekürt.

"Ich bin sehr stolz darauf", sagte Harder am Tag des Champions-League-Finales gegen Olympique Lyon zu der vom "Kicker" durchgeführten Abstimmung unter Sportjournalisten. "Eine besondere Ehre ist diese Auszeichnung auch deshalb, weil sie zum ersten Mal eine ausländische Spielerin erhält." Seit ihrem Wechsel zum VfL Wolfsburg 2017 wurde die dänische Nationalspielerin stets Meisterin und Pokalsiegerin - bald könnte diese Erfolgsgeschichte aber vorbei sein.

Am Samstag sickerte durch, dass die 27-Jährige - ohnehin eine der am meisten umworbenen Spielerinnen in Europa - ihren noch bis 2021 laufenden Vertrag nicht erfüllen will. Der FC Chelsea soll angeblich 350.000 Euro für die Top-Angreiferin bezahlen. So viel wurde bislang noch nie für eine Bundesligaspielerin geboten. Der VfL bestätigte die Nachricht nicht.

Mit dem FC Chelsea verbindet Harder allerdings mehr als nur der Sport. Die Dänin würde wieder mit ihrer schwedischen Partnerin Magdalena Eriksson zusammenspielen und leben können. Diesen Herzenswunsch kommuniziert sie seit Monaten immer wieder. Ihre beruflichen Wege hatten sich 2017 getrennt.

Für den VfL, aber auch für die Bundesliga und den Frauenfußball in Deutschland insgesamt wäre der vorzeitige Abschied der 1,68 Meter großen Stürmerin ein Riesenverlust. Nicht umsonst wurde sie mit klarem Vorsprung vor ihrer Teamkollegin Alexandra Popp zur besten Spielerin des Jahres gewählt. "Sie hat diese Wahl verdient gewonnen", sagte Ex-Nationalspielerin Inka Grings. "Für mich ist Pernille eine Weltklasse-Spielerin, weil sie in ihren drei Jahren beim VfL Wolfsburg über den kompletten Zeitraum auf sehr hohem Niveau gespielt und konstant ihre Tore geschossen hat."

Harder steht für sportliche und menschliche Werte wie kaum eine andere. Trainingsfleißig, willensstark, stets darauf bedacht, sich der Perfektion zu nähern. Dabei immer ein Teamplayer, der die Gruppe, den Erfolg der Mannschaft über den eigenen Ruhm stellt. Freundlich, bescheiden - die Dänin könnte die Hauptrolle in einem Lehrfilm über erfolgreiche Sportlerinnen spielen.

105 Treffer in 123 Pflichtspielen für den VfL sind eine Traumbilanz. Allein in der vergangenen Bundesligasaison traf sie 27 Mal - in 22 Partien.

Im glücklich gewonnenen Halbfinale der Königsklasse gegen den FC Barcelona (1:0) blieb Harder ungewohnt blass, hatte keine zwingende Torraumaktion. Für den zum Saisonende scheidenden Trainer Stephan Lerch aber kein Grund, sie auszuwechseln. "Selbst wenn sie bei weniger als 100 Prozent ist, spürt man ihre Anwesenheit. Wenn man diesen einen Moment braucht, um den Unterschied zu machen, ist sie die Spielerin dafür, egal, in welchem Zustand sie sich befindet", beschrieb Lerch einmal eine seiner drei Kapitäninnen.

Harder möchte einmal die weltbeste Fußballerin werden. Für viele, nicht nur beim VfL Wolfsburg, ist sie es schon.

© dpa-infocom, dpa:200829-99-353899/4

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