Leipzig (dpa) - Andrej Schewtschenko sah erschöpft aus und klang ratlos und verzweifelt.

"Wir sind die einzige Mannschaft, die seit September so viele Ausfälle hat - vor allem auch durch Corona", stöhnte der 44 Jahre alte Fußball-Nationalcoach der Ukraine nach dem 1:3 gegen Deutschland am Samstagabend in der Nations League.

Schewtschenko hatte in Leipzig wieder mal einen Tag hinter sich, der ihm körperlich und mental viel mehr abverlangte als viele Spiele in seinem früheren Leben als Weltklassestürmer. An eine normale Spielvorbereitung war am Samstag nach fünf Corona-Fällen beim Team überhaupt nicht zu denken gewesen. "Vor allem der Morgen war sehr nervenaufreibend. Wir mussten uns erneut testen lassen. Die Ungewissheit, dass noch mehr Spieler ausfallen, hat uns Sorgen gemacht. Das war psychologisch sehr schwierig", berichtete er.

Erst wenige Stunden vor dem Anpfiff, als alle 35 angeordneten Testungen von Spielern, Trainern und Betreuern negativ ausgefallen waren, konnte Schewtschenko den Fokus auf das Spiel lenken. "Aber wir hatten nicht die Möglichkeit, die stärkste Mannschaft auf den Platz zu bringen. Und wir hatten kaum jemanden auf der Bank", klagte er.

Trotz der Probleme ging sein Team in Führung und traf dreimal den Pfosten. "Wir haben Deutschland vor große Probleme gestellt", sagte Schewtschenko stolz. Seit 2016 ist er Cheftrainer. Er hat die Ukraine nach der verpassten Qualifikation für die WM 2018 zur - wegen Corona - in den Sommer 2021 verschobenen Europameisterschaft geführt und ist mit ihr in die A-Liga der Nations League aufgestiegen. Aber aktuell kämpft er vor allem mit einem schier übermächtigen Gegner: Corona.

Schon im Oktober fielen beim Test in Frankreich etliche Akteure mit dem Virus aus. Die Not-Elf mit dem 45 Jahre alten Torwarttrainer als Ersatzmann auf der Bank wurde vom Weltmeister mit 7:1 abgefertigt.

"Wir sind in einer schwierigen Lage", sagte Schewtschenko nun auch wieder in Leipzig. Die vier positiv getesteten Spieler und der ebenfalls infizierte Teammanager sollten am Sonntag mit einem aus Kiew kommenden Flugzeug zurück in die Ukraine gebracht werden.

Der übrige Tross reist weiter in die Schweiz, wo am Dienstag zum Nations-League-Abschluss der Abstieg abgewendet werden soll. Von Joachim Löw gab es die besten Wünsche und ein großes Lob für den Kollegen: "Andrej Schewtschenko macht einen richtig guten Job."

© dpa-infocom, dpa:201115-99-337796/4

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