Frankfurt/Main (dpa) - Vor der Frankfurter Skyline packten Oliver Bierhoff und Co. zum Start des Akademie-Baus kräftig mit an, zuvor waren der DFB-Direktor und die Interimspräsidenten hart mit sich ins Gericht gegangen.

"Man muss ehrlich mit sich selbst sein. Wir haben es versäumt. Wir hätten das schon sehr viel früher starten sollen. Wir haben uns zu sehr ausgeruht", sagte DFL-Präsident Reinhard Rauball, der nach dem Abgang von Reinhard Grindel derzeit mit Rainer Koch interimsmäßig die Geschäfte führt. Der 150 Millionen Euro teure Neubau im Stadtteil Niederrad soll nun dafür sorgen, dass der DFB schnell wieder den Anschluss nach oben findet.

Dieser war zuletzt nicht nur mit der A-Nationalmannschaft und dem historischen WM-Vorrundenaus in Russland, sondern auch bei einigen Jugendauswahlteams immer mehr verloren gegangen. "Wir müssen anerkennen, dass wir die Engländer aus dem Blick verloren haben. Sie sind mit ihren Jugend-Mannschaften an uns vorbeigerannt. Was Jadon Sancho mit 18 Jahren schon bewerkstelligt. Solche Leute brauchen wir", forderte Rauball. Das Scheitern der Schützlinge von Joachim Löw vor knapp einem Jahr war nur der Gipfel einer Misere, die sich schon über die vergangenen Jahre angedeutet hatte.

Mit dem Bau der Akademie auf dem ehemaligen Gelände der Galopprennbahn, den der DFB gerne und oft als "Leuchtturmprojekt" bezeichnet, soll nun vieles besser werden. Nach einem jahrelangen Rechtsstreit der Stadt mit dem Frankfurter Rennklub hatte sich die Übergabe des Baugrunds immer wieder verzögert. Bierhoff, Generalsekretär  Friedrich Curtius und weitere Präsidiumsmitglieder wirkten beim Startschuss schwer erleichtert, schossen Selfies mit ihren Handys und hielten strahlend besondere Momente für den Verband fest. "Es ist ein Meilenstein", sagte Curtius.

Die Einweihung des Zentrums, das 2021 fertiggestellt werden soll, zelebrierte der DFB auf der Baustelle mit 300 Gästen aus Sport, Wirtschaft und Politik. In der neuen Heimat des Verbandes sollen Sport, Verwaltung und Innovation beheimatet sein, das alte Gebäude an der Otto-Fleck-Schneise war zuletzt ohnehin zu klein geworden. Auch für die sportlich ehrgeizigen Ziele soll der Akademiebau eine Art Weckruf sein. "Wir waren kurz ein wenig eingenickt aufgrund des Erfolges", gestand Bierhoff. Schnell relativierte er: "Wir müssen aber nicht so aufholen wie im Jahr 2000, wir haben eine weitaus bessere Basis. Da bin ich zuversichtlich."

Großes Ziel ist die Heim-EM 2024. Mit schweren Monaten in den Knochen und etwas Wehmut sagte Curtius: "Ich habe manchmal das Gefühl, dass wir zu sehr das Haar in der Suppe suchen. Wenn ich an 2006 zurückdenke, wie unbeschwert das war, dann wäre das mein Wunsch, dass das mit der EURO 2024 erreicht wird." 

Bierhoff will den Abstand auf Frankreich, Belgien und England nicht nur verkleinern, sondern selbst wieder die Nummer eins des Weltfußballs werden. "Die anderen Nationen sind uns einen Tick voraus. Jetzt müssen wir ein bisschen aufholen und dann natürlich selbst auch neue Maßstäbe setzen." Weltweit seien die Ausbildung, die Mannschaften und die Ideen für die Zukunft nirgends so eng verzahnt, wie das unter der Leitung von Tobias Haupt in der Mainmetropole Frankfurt der Fall sein soll. Selbstbewusst sagte der frühere Nationalstürmer Bierhoff: "Bei uns muss immer etwas gehen."

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Mitteilung zum Spatenstich

Interview Bierhoff und Curtius