Berlin (dpa) - Nationalspieler Matthias Ginter hat angesichts der Corona-Krise zur Solidarität aufgerufen und ein Umdenken im Profifußball gefordert.

"Ich wünsche mir das sehr. Niemand wird leugnen können, dass sich der Profifußball immer mehr - nennen wir es - überhitzt hat. Von Saison zu Saison ist immer noch mehr Geld geflossen, und vielleicht ist der einzelne Mensch dabei bisweilen auf der Strecke geblieben", sagte der der 26-Jährige von Borussia Mönchengladbach in einem "Sportbuzzer"-Interview.

Er befürchte indes, "dass der Wunsch nach Veränderungen mittel- und langfristig wenig Gehör finden wird", meinte Ginter - und nannte ein Beispiel: "Nach dem Tod von Robert Enke haben alle gesagt, dass sich in diesem Geschäft etwas ändern, dass es wieder menschlicher zugehen muss. Trotzdem war nach ein paar Monaten wieder alles beim Alten."

Weiter wies Ginter auf die Anschläge von Paris oder den Anschlag auf den Dortmunder Mannschaftsbus hin. "Danach haben alle mehr Sicherheit, aber auch mehr Rücksichtnahme auf die Befindlichkeit der Spieler nach einem so schrecklichen Erlebnis gefordert. Wirklich geändert aber hat sich bis heute nichts", betonte der Abwehrspieler.

Solidarität sei in Zeiten der Corona-Pandemie besonders wichtig. "Wir bei Borussia waren uns einig, auf Gehalt zu verzichten, weil wir auf diese Weise etwas für die Angestellten unseres Vereins tun konnten. Und so - auf freiwilliger Basis - halte ich es auch für den besseren Weg", sagte Ginter. "In der jetzigen Situation ist es ohne Frage wichtig, anderen Menschen zu helfen, denen es vielleicht nicht so gut geht. Und ich hoffe, dass viele das so sehen. Die Politik sollte sich da nicht einmischen."

"Sportbuzzer"-Interview mit Matthias Ginter (Wortlaut)

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