Düsseldorf (dpa) - Lange Zeit flog Matthias Ginter im Team von Joachim Löw ein ganzes Stück unter dem Radar, obwohl er im zarten Alter von 20 Jahren schon Fußball-Weltmeister war, ohne 2014 in Brasilien eine Minute gespielt zu haben.

Jetzt darf der Defensivspezialist beim überraschenden Bundesliga-Spitzenreiter Borussia Mönchengladbach und auch in der Nationalmannschaft die Höhenluft genießen. "Man merkt schon, dass ihr oben steht", rief Stürmer Timo Werner bei einem Trainingsspiel dem Verteidiger Ginter zu, als der nach eigener Erzählung "nicht ganz so schlecht" eine Szene gelöst hatte.

Dass der mittlerweile 25 Jahre alte Ginter vor dem EM-Qualifikationsspiel gegen Weißrussland selbst von diesem Trainingserlebnis berichtete, zeigt das neue Selbstverständnis beim gebürtigen Freiburger. Schon beim SC wäre ihm das ganz hohe Level lange nicht zugetraut worden, erzählte Ginter: "Ich habe nichts geschenkt bekommen." So war es auch bei seinen nächsten Stationen Borussia Dortmund und Gladbach. "Mittlerweile habe ich über 200 Bundesliga-Spiele", bemerkte der 1,88 Meter große Verteidiger.

Und auch im Nationalteam hat Ginter lange gebraucht, um auf dem Radar zu erscheinen. "Manchmal hat man das Gefühl, er wird ein bisschen unterschätzt, wenn er bei uns gespielt hat", bemerkte der Bundestrainer. Nun macht Löw den Unterschätzten zum Abwehrchef. Auch weil Niklas Süle und Antonio Rüdiger verletzungsbedingt fehlen.

"Es ist auf jeden Fall ein Prozess, ich bin als sehr junger Spieler mit 20 dazugekommen", beschrieb Ginter in Düsseldorf seine Entwicklung im DFB-Team. "Danach musste ich viele Schritte gehen." Zwischenzeitlich wurde er in die U21 zurückgestuft, war dann aber am starken Silber-Auftritt des deutschen Nachwuchses bei den Olympischen Spielen 2016 beteiligt. Beim Confed-Cup-Sieg 2017 spielte Ginter wieder im A-Team. Das Wichtigste für ihn war: "Die Entwicklung ist in die richtige Richtung gegangen. Da will ich dranbleiben."

In Gladbach hat Ginter als Stammkraft wesentlichen Anteil am derzeitigen Spitzenplatz. Jetzt will er sich im Nationalteam "auch außerhalb des Platzes als Persönlichkeit" weiterentwickeln, bemerkte Ginter. "Dazu zählt, dass man eine gewisse Ausstrahlung hat." Dass er im Verein einen etwas andere Fußball mit sehr hohem Risiko spielen muss als bei Löw, sieht der Mönchengladbacher nicht als Problem: "Es dauert ein, zwei Tage bis man das DFB-Gen in sich hat."

Ginter stellt sich auch gegen den Außenseiter Weißrussland auf keinen ruhigen Abend ein. "90 Minuten Ruhe gab es noch nie. Im Hinspiel hat man gesehen, dass sie gefährliche Standards haben und gefährlich kontern können", bemerkte er zu der Herausforderung gegen die Gäste aus Weißrussland. "Wir müssen viel investieren, die Konter früh unterbinden." Ein ganz spezieller Abend wird sein 29. Auftritt im A-Team auf jeden Fall: "Es ist bestimmt ein besonderes Gefühl, erstmals im heimischen Wohnzimmer ein Länderspiel zu bestreiten."

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