Berlin (dpa) - Der frühere Bayern-Profi Dietmar Hamann sieht gute Chancen, dass Borussia Dortmund das Bundesliga-Topspiel gegen den FC Bayern München am Samstag (18.30 Uhr/Sky) gewinnt.

"Die Dortmunder Chancen auf einen Sieg gegen die Bayern sind so gut wie lange nicht. Es gibt eigentlich keinen besseren Zeitpunkt für Dortmund, gegen Bayern zu spielen", sagte der Ex-Nationalspieler den Zeitungen der "Funke Mediengruppe".

Für den BVB spreche seine Defensivstärke und die größere Frische im Vergleich zum deutschen Fußball-Rekordmeister. "Sie haben im Sommer einige Wochen Urlaub machen können, während die Bayern nur ein paar Tage Pause hatten", begründete Hamann. "Da sind diese Spiele im Dreitagesrhythmus körperlich und mental eine unheimliche Belastung."

Zugleich erneuerte der 47-Jährige seine Kritik an der Entscheidung der Dortmunder, an Marco Reus als Kapitän festzuhalten. Reus (31) sei zwar ein herausragender Spieler, "vielleicht der begabteste Offensivspieler, den wir in Deutschland haben." Aber der Nationalspieler sei zu oft verletzt und derzeit zu sehr mit sich selbst beschäftigt - das belaste Reus und das Team. "Es ist auf Dauer kein Zustand, dass der Kapitän im Schnitt jedes dritte Spiel nicht spielt. Mein Gefühl ist, dass das Dortmund momentan eher schwächt", sagte Hamann.

Auch Ex-BVB-Coach Thomas Doll sieht die Borussia chancenreicher als noch vor Jahren. "Heute sind die beiden Teams anders auf Augenhöhe, damals war das ein Unterschied wie Tag und Nacht. Jetzt ist das ein Spiel, bei dem auf beiden Seiten Weltklasse steht, jeder möchte sich beweisen", sagte der Ex-Nationalspieler den Zeitungen "Münchner Merkur" und "tz". "Selbst der, der verliert, ist nicht aus dem Rennen. Der Druck ist nicht brutal. Aber: Es ist ein Prestige-Spiel."

In den Vorjahren habe beim BVB die Leichtigkeit gefehlt, "die meisten haben unter Form gespielt", meinte der 54-jährige Doll. "Sie sind aber alle jetzt ein Jahr älter, reifer. Um in solchen Spielen zu bestehen, muss man lernen. Und ich denke, das haben sie jetzt."

In der Diskussion um Lucien Favre stärkt Doll dem Dortmunder Coach den Rücken. "Wir brauchen in Deutschland anscheinend diese Dauer-Diskussion, dieses "Ist er der Richtige?" Man muss sich doch aber vor Augen führen, dass Favre jedes Jahr um zwei Titel spielt. Nicht mal die Top-Vereine - Barcelona, Paris, Liverpool - konnten Bayern in letzter Zeit Paroli bieten", sagte Doll und lobte, dass sich Favre nicht beeindrucken lasse von dem Gerede. "Er soll sein Ding weiter durchziehen und alle eines Besseren belehren."

Trainer Hansi Flick bei den Bayern komme in seiner Art Bundestrainer Joachim Löw sehr nahe, meinte Doll. "Löw hat auch eine unglaublich ruhige und sachliche Art, sonst hältst du dich nicht so lange." Flick, mit dem Doll Jahrgangsbester beim Fußballlehrer-Lehrgang 2003 war, traut er eine Ära bei den Bayern zu.: "So lange er Titel holt, ist es keine Frage, dass er bleibt."

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