Southampton (dpa) - Ralph Hasenhüttl ging nach dem hart erkämpften 1:0-Sieg seines FC Southampton gegen den englischen Fußballmeister überglücklich und unter Tränen auf die Knie. Einige Meter weiter stand Liverpool-Trainer Jürgen Klopp der Frust über die Niederlage ins Gesicht geschrieben.

Nach dem dritten sieglosen Spiel in Serie ist der Vorsprung seiner Mannschaft in der Premier-League-Tabelle aufgebraucht. Jetzt kann die Konkurrenz aus Manchester an den Reds vorbeiziehen. "Natürlich machen wir uns Sorgen", räumte Klopp ein, nachdem sein Team schon wieder torlos geblieben war.

"Es ist sehr frustrierend, einfach, weil es so unnötig ist. Aber es passiert eben", haderte der Liverpool-Coach. "Das ist unsere Schuld, meine Verantwortung." Gleichzeitig betonte er, Southampton habe den Sieg verdient. "Die haben gekämpft, die haben sich die Socken kaputt gelaufen mit allem, was sie hatten", so Klopp. "Ihnen fehlten viele Spieler, und sie haben es wirklich gut gemacht. Das ist klar."

Nur zwei Minuten nach dem Anpfiff traf ausgerechnet der frühere Liverpool-Profi Danny Ings gegen seinen Ex-Club. "Wir hatten einen schlechten Start", sagte Klopp, "danach waren wir nicht ruhig genug, um uns Chancen zu erspielen und das Ding zu drehen." Eine ungewohnte Situation: Der sonst so torgefährliche FC Liverpool und sein gefürchtetes Angriffstrio - Mohamed Salah, Roberto Firmino und Sadio Mané - warten jetzt schon seit zwei Spielen auf einen Treffer.

In der Tabelle bleibt Liverpool zwar mit 33 Zählern an der Spitze. Aber der punktgleiche Rekordmeister Manchester United, den bis vor kurzem kaum einer auf der Rechnung hatte, hat ein Spiel weniger absolviert. Am 17. Januar treffen die beiden Erzrivalen in Anfield in einem möglicherweise richtungsweisenden Duell aufeinander.

Pep Guardiolas wiedererstarktes Man City, das sogar noch zwei Partien nachholen muss, könnte die Reds ebenfalls mit zwei Siegen überholen. Und auch Tottenham Hotspur und Leicester City mischen im Rennen um die englische Meisterschaft kräftig mit. Es könnte eine der spannendsten Premier-League-Spielzeiten seit Jahren werden.

Der starke FC Southampton, der nach dem sensationellen Sieg gegen Liverpool Platz sechs belegt, ist unterdessen auf Europa-League-Kurs. "Ich kann gar nicht sagen, wie stolz ich auf meine Mannschaft bin", schwärmte Coach Hasenhüttl. "Ich finde, die Mentalität, die wir heute gezeigt haben, war perfekt. (...) Ich weiß nicht, ob wir mehr Mentalität gezeigt haben als das andere Team, aber wir wollten es mehr."

Eine Erklärung für seine Tränen lieferte der emotionale Hasenhüttl, dessen Augen im BBC-Interview immer noch gerötet waren, übrigens auch noch. "Das lag an dem Wind", scherzte der frühere Leipzig-Trainer, "der Wind hat mir ein bisschen die Tränen in die Augen getrieben."

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Hasenhüttl-Interview bei BBC

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