Liverpool (dpa) - Jürgen Klopp war die Erleichterung nach dem Zittersieg gegen den AFC Bournemouth anzusehen. Mehr als sonst ballte der Liverpool-Trainer nach dem 2:1 die Faust und strahlte über das ganze Gesicht.

"Ich war in guter Stimmung", erklärte Klopp seinen Gefühlsausbruch, nachdem die Reds rechtzeitig vor dem Champions-League-Rückspiel gegen Atlético Madrid ihre kleine Krise gestoppt haben. "Ich war absolut glücklich über das Ergebnis, die drei Punkte und die Leistung."

Weil der Tabellenzweite Manchester City das Derby bei Man United mit 0:2 (0:1) verlor, hat die Klopp-Elf 25 Punkte Vorsprung auf den Titelverteidiger und braucht nur noch zwei Siege, um die erste Meisterschaft seit 30 Jahren zu feiern.

Sollte City am Mittwoch im Nachholspiel gegen den FC Arsenal oder am Samstag gegen den FC Burnley verlieren, hätte Liverpool schon am 16. März im Derby beim FC Everton die Chance alles klarzumachen. Sollte City wider Erwarten aus beiden Spielen keine Punkte holen, wären die Reds am Samstag Meister, ohne selbst zu spielen. Gewinnt City beide Partien, könnte sich Liverpool den Titel am 21. März im Heimspiel gegen Crystal Palace sichern.

Eine Woche nach der ersten Premier-League-Niederlage der Saison war der Sieg in Anfield gegen Bournemouth dringend notwendig, zumal dem deutlichen 0:3 beim FC Watford auch noch das Aus im FA Cup beim FC Chelsea gefolgt war. "Es gibt nichts Gutes daran, Fußballspiele zu verlieren", sagte Klopp, "aber es macht einem bewusst, wie besonders es ist, Fußballspiele zu gewinnen." Die Zeitung "Telegraph" schrieb dazu scherzhaft: "Jürgen Klopps Spieler beenden ihre Niederlagenserie von einem Liga-Spiel."

Liverpool hatte zuhause keinen guten Start erwischt und war nach nicht mal zehn Minuten durch Callum Wilson in Rückstand geraten - ein umstrittenes Tor, weil Wilson vorher Joe Gomez geschubst hatte. "Ich will es nicht überbewerten", sagte Klopp, für den es ein Foul war, "aber in so einem Moment, wo du dir den Schwung erst wieder erkämpfen musst, kriegst du so eine Entscheidung und so ein Gegentor, da wären andere Teams in der Fußballgeschichte drüber gestolpert."

Doch Mohamed Salah (25. Minute) und Sadio Mané (33.) drehten die Partie und sorgten für den 15. Sieg im 15. Premier-League-Heimspiel. Saisonübergreifend war es sogar schon der 22. Heimerfolg in Serie, damit übertrafen die Reds ihren eigenen Liga-Rekord aus dem Jahr 1972. Viel wichtiger war jedoch, dass der lang ersehnte Meistertitel bei neun ausstehenden Spielen in greifbare Nähe rückte: "Wir werden jetzt nicht abheben", versicherte Klopp trotzdem.

Der Schwung ist also rechtzeitig zurück in Anfield - und wird nun erstmal in der Champions League gebraucht, wenn der Titelverteidiger am Mittwoch (21:00 Uhr/DAZN) im Achtelfinal-Rückspiel gegen Atlético Madrid ein 0:1 aus dem Hinspiel wettmachen muss. Wie schon gegen Bournemouth wird Torwart Alisson dabei ausfallen. Kapitän Jordan Henderson und Andy Robertson werden hingegen zurückerwartet.

"Wir haben es oft gesagt, wir wollen so erfolgreich sein, wie wir können", sagte Klopp mit Blick auf den Saisonendspurt. Ob neben dem sehnsüchtig erwarteten Meistertitel auch in der Königsklasse etwas zu holen ist, bleibt abzuwarten, an der Einstellung wird es laut Klopp jedenfalls nicht mangeln: "Es ist nicht immer möglich, dass wir unseren besten Fußball spielen. Aber dass wir jedem Gegner einen ordentlichen Kampf liefern, sollte immer möglich sein."

Klopp-Aussagen

Telegraph-Bericht

Matchbericht Liverpool - Bournemouth

Matchbericht Man United - Man City

 

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