Sevilla (dpa) - Fragen an Bundestrainer Joachim Löw in der Video-Pressekonferenz nach dem 0:6 der Fußball-Nationalmannschaft in der Nations League gegen Spanien in Sevilla.

Frage: Was sagen Sie nach diesem Debakel und wie erklären Sie es?

Antwort: Es war ein Abend, an dem uns absolut nichts gelungen ist. Wir sind enttäuscht und absolut sauer. Wir waren weder in Zweikämpfen noch in punkto Körpersprache präsent auf dem Platz. Wir haben schon nach dem 0:1 unsere Linie, unsere Organisation aufgegeben und sind nach vorne gestürzt. Wir haben Räume geöffnet für die Spanier, das haben diese gnadenlos ausgenützt. Wenn du dann 0:3 oder 0:4 hinten bist, hast du überhaupt keine Chance mehr. Wir haben sie auch nicht mit Angriffen mal in den Rückwärtsgang gezwungen. Wir haben nach vorne alle Bälle verloren, hatten keine Ballsicherheit. Wir hatten keinen Zugriff, keine Zweikampfhärte, kein Zweikampfverhalten.

Frage: Sie haben jetzt vier Monate keine Länderspiele und können damit wenig machen. Zugleich dürfte es aufgeregte Debatten geben um Ihren Kurs und die Frage, ob die Mannschaft reif ist für die EM. Was wollen Sie tun? Wie wollen Sie die lange Winterpause überbrücken?

Antwort: Es gibt keine Möglichkeit, mit den Spielern etwas zu machen. Die gehen jetzt direkt wieder zu ihren Vereinen und müssen dort ihre Arbeit erledigen. Wir haben vor März keine Länderspiele. Wir müssen das die nächsten Tage im Trainerstab aufarbeiten. Was sind jetzt die richtigen Schlüsse, die wir ziehen müssen? Was ist der richtige Weg? Wir haben gedacht, dass wir einen Schritt weiter sind nach den letzten Spielen und diesem Jahr, das insgesamt schwierig war. Wir haben jetzt einen richtigen Rückschlag hinnehmen müssen. Mit den Spielern haben wir leider keine Möglichkeit zu arbeiten, zu trainieren oder ein Spiel zu machen.

Frage: Wie fällt denn ihr Gesamtfazit des Jahres aus?

Antwort: In dem Moment ein Fazit zu ziehen, ist schwierig. Wir haben die Spiele im September gehabt, wo einige Spieler aus dem Urlaub kamen. Wir haben jetzt vor diesem Spieltag neun Punkte gehabt. Wir waren Tabellenführer, das war auf unserem Weg gut. Wir hatten die Chance, aus eigener Kraft die Gruppe zu gewinnen. Jetzt haben wir eine herbe Niederlage einstecken müssen, die es so schon lange nicht mehr gab. Es war ein Spiel, in dem überhaupt nichts funktioniert hat. Das ist für uns alle erstmal bitter. Vorher habe ich gute Ansätze gesehen bei dieser Mannschaft. Wir haben auch das Vertrauen in diese Spieler. Wir haben gute Spiele gemacht, gegen die Ukraine zuletzt auch ein sehr ordentliches. Heute haben alle Dinge, die wir besprochen und uns vorgenommen haben, nicht funktioniert. Gegen starke Spanier hat man dann keine Chance. Wir haben alle sicherlich geglaubt, dass wir schon weiter sind, als es heute zu sehen war.

Frage: Sie haben die Frage nach dem richtigen Weg selbst aufgeworfen. Ist das die Frage nach dem Personal? Nach der Spielphilosophie? Oder ist es auch die Frage nach der Perspektive dieser Mannschaft? Muss sich Fußball-Deutschland mal damit abfinden, dass die EM eher ein Übungsturnier ist für die weitere Zukunft dieser Mannschaft?

Antwort: Das kann nicht unser Ziel sein, dass wir sagen, okay, die EM ist ein Vorbereitungsturnier für die weiteren Turniere danach. Klar, diese Mannschaft ist jung. Diese Mannschaft hat Qualität. Wir haben Spieler mit großer Qualität. Es ist immer so, dass wir in einem Turnier das Maximale anstreben. Das war 2010 ähnlich. Was damals bei der WM möglich war mit einer jungen Mannschaft, hat man vorher nicht geglaubt. Natürlich sagen wir nicht, das ist ein Erfahrungsturnier für unsere Mannschaft. Am Personal, das wir haben, muss man trotz dieser heftigen Niederlage und obwohl alle Spieler heute nicht die Leistung gezeigt haben, die man von ihn erwarten kann, nicht zweifeln. Sie haben ihre Qualitäten. Wir haben heute müde gewirkt. Wir haben schwerfällig gewirkt. Wir waren immer einen Schritt zu langsam. Es war kein Aufbäumen zu spüren. Es war ein rabenschwarzer Tag. Aber wir können nicht zu einem Turnier gehen und sagen, das ist ein Vorbereitungsturnier für die weiteren Turniere.

Frage: Serge Gnabry hat gesagt, nach solchen Spielen sieht man, wo man steht. Wo steht denn Deutschland nach diesem Härtetest? Und lösen Sie sich vielleicht von dem einen oder anderen Spieler, um nochmal einen Impuls vor der EM zu setzen?

Antwort: Das Spiel zeigt einiges auf. Und wenn der Serge das so gesagt hat, ist es in dem Moment richtig, dass wir heute keine Chance gegen die Spanier hatten. Beim Hinspiel in Stuttgart aber haben wir gegen die Spanier gezeigt, dass wir es alle besser können. Ich habe gesagt, dass ich den Spielern schon vertraue. Dass es mal Rückschläge geben wird, müssen wir jetzt in ganz schmerzlicher Form hinnehmen.

Frage: Es wird jetzt zweifelsohne Diskussionen geben. Machen Sie sich Sorgen um Ihren Job? Und muss man jetzt nicht über eine Rückkehr von Thomas Müller, Mats Hummels und Jérôme Boateng neu nachdenken?

Antwort: Zur zweiten Frage habe ich gesagt, dass wir die Situation zum richtigen Zeitpunkt bewerten. Ich habe gesagt, dass ich diesen Spielern vertraue. Das Vertrauen ist jetzt im Moment nicht völlig erschüttert. Diese junge Mannschaft hat auch die Fähigkeit, sich so zu entwickeln, dass wir eine leistungsstarke, konkurrenzfähige Mannschaft haben. Davon bin ich absolut überzeugt. Ob ich mir Sorgen machen muss, um meinen Job, das müssen Sie Andere fragen.

© dpa-infocom, dpa:201117-99-369857/3

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