Sinsheim (dpa) - Frohlockend, fast schon genüsslich beschrieb Ralf Rangnick, wie RB Leipzig der TSG 1899 Hoffenheim taktisch ein Schnippchen geschlagen hatte. Schmallippig saß Julian Nagelsmann nach dem 1:2 (0:0) gegen seinen künftigen Club neben seinem zukünftigen Vorgesetzten.

Nach der Chef-Debatte der vergangenen Tage zeigte RB-Coach Rangnick seinem bereits bestellten und etwa halb so alten Nachfolger, wie es so gehen kann in einem Bundesliga-Spiel. Das brisante Trainer-Duell lässt erahnen, dass es in der nächsten Saison in Leipzig spannend wird mit diesem Duo - Reibungsverluste nicht ausgeschlossen.

Nach dem Rasenschach vor 28.115 Zuschauern verließ Rangnick als der große Sieger die Sinsheimer Rhein-Neckar-Arena. Drei Tage vor dem Champions-League-Schlager gegen Manchester City zog die stark ersatzgeschwächte TSG den Kürzeren.

"Natürlich wussten wir um die Stärke von Hoffenheim speziell beim Umschaltspield", erklärte Rangnick bei der Pressekonferenz: "Dass sie versuchen, mit ihren Achtern und ihren hohen Schienenspielern die Box auch zu besetzen, und dass sie um die Box herum teilweise mit fünf, sechs Spielern präsent sind." Seine Taktik-Analyse: "Wir haben letzte Saison gesehen, dass das mit einer Viererkette schwer zu verteidigen ist. Deswegen haben wir uns entschieden, mit einer Dreier- bzw. Fünferkette zu spielen. Ich denke, das hat sich als nicht ganz verkehrt erwiesen."

Yussuf Poulsen hatte in der 53. und 73. Minute beide Tore für die Sachsen erzielt - sein erster Doppelpack in der Bundesliga. Andrej Kramaric verkürzte per Foulelfmeter in der Nachspielzeit einer Partie, die sichtlich von den taktischen Vorgaben der Trainer und den bevorstehenden internationalen Aufgaben beider Clubs geprägt war.

Die unerfahrene Hoffenheimer Abwehr mit Kevin Akpoguma, Justin Hoogma und Stefan Posch geriet immer wieder ins Schwimmen. "In der zweiten Halbzeit haben wir das Spiel immer mehr genauso gestalten können, wie wir uns das vorgestellt haben", sagte Rangnick voller Genugtuung.

Vom kommenden Sommer an konzentriert sich der 60-Jährige wieder auf sein Amt als Sportdirektor in Leipzig, dann tritt der 31 Jahre junge Nagelsmann seinen Vierjahresvertrag bei RB an. Im Fernduell hatten die beiden Alphatiere schon mal öffentlich die Hierarchien in Leipzig ausdiskutiert. Mit Blick auf den Geschäftsführer von RB hatte der Hoffenheimer Coach gesagt: "Mein Chef ist Oliver Mintzlaff, wenn mich nicht alles täuscht."

Er glaube nicht, "dass der Sportdirektor der Chef ist. Vielleicht ein Vorgesetzter". Rangnick wiederum widersprach da: "Selbstverständlich ist der Sportdirektor nachher derjenige, der über die weitere Zusammenarbeit mit dem Trainer entscheiden muss."

Für ihn gehe es nicht per se darum, zu zeigen, wer der bessere Trainer ist, hatte Rangnick noch betont. Dass er den 31-Jährigen Nagelsmann mit seiner Taktik austricksen konnte, freute ihn jedoch sichtlich. Aber: "Ich bin überzeugt davon, dass wir gut zusammenarbeiten werden." Vor der Europa-League-Partie bei Rosenborg Trondheim am Donnerstag ist die peinliche Heimniederlage zum Auftakt gegen RB Salzburg nach der erfolgreichen englischen Bundesliga-Woche endgültig abgehakt.

Den Kraichgauern geht vor dem Spiel gegen Manchester mit Star-Coach Pep Guardiola am Dienstag (18.55 Uhr/Sky) etwas die Luft und das Personal aus. "Der Herr Nagelsmann wollte genauso einen super Job machen wie wir", versicherte RB-Kapitän Kevin Kampl. "Wir haben uns im Spiel keine Gedanken gemacht, wer uns im nächsten Jahr coacht."

Steckbrief Nagelsmann auf TSG-Homepage

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