Wolfsburg (dpa) - Über Sport wollte niemand reden. "Fußball ist manchmal zweitrangig", sagte der sichtlich schockierte Schalker Offensivspieler Daniel Caligiuri und brachte damit die Gefühlslage aller Beteiligten auf dem Punkt.

Nach dem Tod eines 41 Jahre alten Fans der Gelsenkirchener auf dem Weg zum Spiel beim VfL Wolfsburg konnte weder weihnachtliche Stimmung noch Vorfreude auf den Bundesliga-Jahresausklang am Samstag aufkommen. "Wenn so etwas auch noch kurz vor Weihnachten geschieht, ist es das Tragischste, was passieren kann", sagte Wolfsburg-Trainer Oliver Glasner.

Die Nachricht vom Tod ihres Anhängers hatte die Schalker Spieler in der Halbzeit erreicht. Die Zuschauer beider Fanlager stellten ihre Unterstützung ein, Wolfsburger Fans zeigten ein Plakat mit den Worten "Ruhe in Frieden" und drückten so ihr Mitgefühl aus.

"Man kriegt ja die Atmosphäre mit, und dann macht man sich schon im Spiel Gedanken, wie fühlen sich die Freunde, die Familie", sagte der 31 Jahre alte Caligiuri. "Wir trauern auf jeden Fall mit", sagte sein Teamkollege und Torwart Markus Schubert, der den rotgesperrten Stammkeeper Alexander Nübel vertrat. "Das rückt den Fußball in den Hintergrund."

Wäre der Abend nicht so tragisch gewesen, hätten sich die Schalker wohl trotz des späten Wolfsburger Ausgleichs über ihre schon vor dem abschließenden Heim-Duell mit dem SC Freiburg gelungene Hinrunde freuen können. So einig sie sich in ihrer Trauer waren, so einig sind sie sich derzeit auch auf dem Platz. "Ich denke, dass hätte vor der Saison niemand von uns gedacht, dass wir schon so eine Entwicklung genommen haben", sagte Caligiuri. "Wir spielen wieder Fußball, sind ein Team, und das zeichnet uns aus im Moment."

Trotz einiger Verletzungssorgen - vor allem in der Defensive - haben die Knappen die Spielphilosophie ihres neuen Trainer David Wagner erstaunlich schnell verinnerlicht. Aggressives Pressing, schnelles Umschalten nach Ballgewinn. Das alles klappt zwar noch nicht in allen, aber doch in vielen Partien und hat den Revierclub auf Rang fünf geführt. Zudem zeichnet sich die Mannschaft durch ihre hohe Einsatzbereitschaft und den positiven Umgang mit Rückschlägen aus. Zum gleichen Zeitpunkt der Vorsaison war Schalke Vierzehnter und hatte nur gut halb so viele Punkte.

Dass es gegen Wolfsburg trotz der Führung durch Ozan Kabak nicht zu einem Sieg gereicht hat, lag auch daran, dass Nübel-Vertreter Schubert nach einer Ecke nicht sicher zupackte. Der deutsche U21-Nationalkeeper hatte zuvor eine starke Leistung gezeigt und sein Team mit guten Paraden lange vor einem Rückstand bewahrt.

"Klar macht man sich Gedanken, aber trotzdem mache ich das Spiel für mich nicht kleiner, als es ist", kommentierte der 21-Jährige den Gegentreffer. "Ich nehme auf jeden Fall Selbstvertrauen aus diesem Spiel mit - und dann geht's am Samstag auch schon wieder weiter." Mit einem Sieg kann Schalke den Tabellennachbarn Freiburg weiter distanzieren und womöglich sogar auf einem Champions-League-Platz überwintern.

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