Dortmund (dpa) - Für seine Verhältnisse fand der sonst so zurückhaltende Lucien Favre klare Worte. "Darüber ist niemand glücklich", kommentierte der Trainer von Borussia Dortmund die Länderspielabstellungen auf der Zielgeraden Richtung neue Saison.

"Die Spieler werden reisen, sie kommen zurück und könnten sich angesteckt haben. Und sie kommen dann sehr spät zurück, erst drei Tage vor dem Pokalspiel." Für Favre und seine Bundesliga-Trainerkollegen sind die Nations-League-Ansetzungen ab der kommenden Woche gleich aus zwei Gründen unpassend.

Zum einen stören sie die finalen Vorbereitungen auf die ersten DFB-Pokalspiele vom 11. bis zum 14. September und den Bundesligastart eine Woche später empfindlich. Wenn Favre mit seinen Spielern an letzten taktischen Feinheiten arbeitet, fehlen ihm sein zuletzt bester Torjäger Jadon Sancho sowie unter anderen die deutschen Nationalspieler Emre Can, Julian Brandt und Nico Schulz, zudem sind die belgischen Internationalen Thorgan Hazard und Axel Witsel unterwegs.

Andere Vereine haben ähnliche Probleme, auch wenn sie nicht ganz so viele Superstars beschäftigen wie der BVB oder Branchenprimus Bayern München. Beim FCB wurde Abwehrchef David Alaba für die österreichischen Länderspiele nominiert. Anders als seine BVB-Kollegen verpasst der 28-Jährige zwar erstmal kein Mannschaftstraining, weil Bayern-Coach Hansi Flick seinen Triple-Gewinnern Urlaub gegeben hat. Dafür bleibt ihm weniger Zeit zur Erholung. Immerhin gönnt Bundestrainer Joachim Löw Manuel Neuer, Joshua Kimmich, Leon Goretzka und Serge Gnabry nach deren Champions-League-Triumph in den Spielen gegen Spanien und in der Schweiz eine Pause.

Auch aus Sicht von Hertha-BSC-Trainer Bruno Labbadia sind die Länderspiel-Termine vor dem Bundesliga-Start "für alle Beteiligten relativ kompliziert". Dass die Profis in der Vorbereitung weg sind, "ist natürlich sehr problematisch für alle", sagte er und erklärte: "Das ist für uns ein Problem, weil wir gerade eine neue Achse aufbauen. Die werden uns fehlen, das muss man ganz klar sagen."

Neben dem großen Störfaktor für das Training machen sich die Verantwortlichen auch Gedanken um die Gesundheit ihrer Profis. "Aufgrund der aktuell ansteigenden Infektionszahlen sehen wir die Abstellung der Spieler zu den Nationalteams mit wachsender Besorgnis", sagte Hoffenheims Sportchef Alexander Rosen der Deutschen Presse-Agentur.

Zwar hat die FIFA die geplanten Länderspiele außerhalb Europas verschoben und lockerte aufgrund des Coronavirus' die Abstellungspflicht - Vereine können Spieler beispielsweise nicht freigeben, wenn Reisebeschränkungen am Ort des Vereins oder dem Länderspiel-Ort bestehen. Doch eine genaue Abwägung des Risikos bleibt bei der großen Dynamik der Pandemie schwierig.

Bei allen Sorgen und aller Kritik gibt es von Vereinsseite allerdings auch Verständnis für den ungewöhnlichen Terminplan in der aktuellen Ausnahmelage. Mit Bezug auf mögliche Bedenken bei den Reisen der Spieler verwies Schalkes Sportvorstand Jochen Schneider darauf, dass im September ja auch schon wieder im Europapokal gespielt werde.

Die Verbände "wollen auch mal wieder ihre Spieler sehen und Fußballspiele austragen", sagte er. "Das ist total legitim." Der 49-Jährige ergänzte: "Wir müssen das als Verein respektieren." Etwas anderes bleibt den Clubs auch nicht übrig.

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Mitteilung der FIFA zur Abstellungpflicht (Englisch)

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