Lissabon/Bergamo (dpa) - Atalantas Trainer Gian Piero Gasperini konnte schon wenige Minuten nach dem Last-Minute-K.o. wieder lächeln. "Natürlich tut das weh, wir haben uns schon fast als Sieger gefühlt", sagte der Coach nach dem 1:2 im Champions-League-Viertelfinale gegen Paris Saint-Germain.

"Aber uns bleibt die Freude darüber, eine großartige Saison gespielt zu haben und gegen die besten Teams Europas angetreten zu sein. Die Leute in Bergamo werden uns feiern, feiern für unser Auftreten. Meine Mannschaft hat alles gegeben."

Mit famosen Partien hatte Atalanta der von der Corona-Pandemie so heftig heimgesuchten Industriestadt in der Lombardei phasenweise Ablenkung und Freude geschenkt und mit Platz drei in der Serie A und dem Einzug ins Finalturnier der europäischen Fußball-Königsklasse verzückt. Dass es gegen Paris wegen zwei Gegentoren in der 90. Minute und in der Nachspielzeit knapp nicht reichte, war bitter für den Außenseiter mit dem deutschen Mittelfeldspieler Robin Gosens. "Nicht sooo!", klagte die Zeitung "Gazzetta dello Sport" am Donnerstag.

Die Norditaliener hatten sich 90 Minuten lang tapfer gegen die individuell deutlich überlegenen Pariser um Superstar Neymar und den eingewechselten Weltmeister Kylian Mbappé gestemmt und waren durch Mario Pasalic sogar in Führung gegangen. Am Ende reicht es nicht.

"Es gibt nichts anderes zu sagen, als dass wir stolz sind auf diese Mannschaft", twitterte Bergamos Bürgermeister Giorgio Gori. Auch die Tageszeitung "Tuttosport" titelte groß: "Wir sind stolz auf euch." Der "Corriere della Sera" schrieb: "Schade, Atalanta."

Der Verein, in Bergamo ehrfürchtig "Göttin" (La Dea) genannt, wird in der nächsten Saison in sein zweites Champions-League-Abenteuer gehen. Dann hoffen die Verantwortlichen auch wieder auf Heimspiele mit Fans. Dabei galt just das Achtelfinalhinspiel gegen den FC Valencia im Februar in Mailand mit zigtausenden Tifosi als eines der Events, das die folgenschwere Verbreitung des Coronavirus provozierte. Mehr als 15.000 Infektionen wurden bislang in der Provinz Bergamo gezählt.

Am Mittwochabend saßen die Einwohner Bergamos gebannt vor den Fernsehern, auf kleinen Public-Viewing-Events wurde gemeinsam - und großteils unter Einhaltung der Vorsichtsmaßnahmen - geguckt. "Wir sind mächtig stolz auf die Jungs", sagte Vereinspräsident Luca Percassi bei Sky. "Wir müssen glücklich sein."

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Titelseite "Tuttosport"

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