Berlin (dpa) - Wie lange hält Urs Fischer das noch durch? Das Reizwort Europapokal bereitete dem Erfolgstrainer des 1. FC Union fast schon physisches Unbehagen.

Locken ließ sich der Coach der Eisernen aber wieder nicht. "Das Wort nehme ich nicht in den Mund", stellte der Schweizer zum x-ten Mal kategorisch fest. Die Berliner bleiben auch nach dem 2:2 gegen den VfL Wolfsburg als souveräner Tabellenfünfter der Fußball-Bundesliga bei ihrer schon komisch klingenden Zielsetzung: Alles, was zählt, ist der Klassenerhalt!

Auch Manager Oliver Ruhnert tappte im "Sportstudio" des ZDF nicht in die mehrfach gestellte Verbal-Falle. "Wenn Schluss wäre, wäre es eine Sensation", sagte der Geschäftsführer über den Tabellenstand, der die Berliner als großes Überraschungsteam nach Europa bringen würde. Aber nach 34 und nicht nach 15 Spieltagen, so die Sprachregelung in Berlin-Köpenick. Für die Konkurrenz ist Union längst ein Kandidat für internationale Ansprüche. "Ich denke, dass sie noch länger in der Region bleiben können", sagte Wolfsburgs Trainer Oliver Glasner.

Als warnendes Beispiel machte Ruhnert seinen Ex-Club Schalke 04 aus. In der Vorsaison lag Königsblau nach 15 Spielen mit 28 Punkten, drei mehr als Union derzeit hat, auf Platz vier und geriet durch seinen unfassbaren Negativlauf noch in Abstiegsgefahr. "Spiel für Spiel anzugehen", nannte Ruhnert phrasenverdächtig als Vorgabe. "Prinzipien" zu haben, sei eine wichtige Philosophie der Eisernen.

An allen Rechenspielen will sich Fischer nicht beteiligen. "Ob es jetzt 35, 36 oder 32 Punkte sind, ich habe das für mich nicht gerechnet", sagte der Schweizer. Neue Saisonziele werde man erst ausloben, wenn der Klassenverbleib sicher sei. "Entscheidend ist, dass es mathematisch nicht mehr möglich ist, dass du eingeholt werden kannst. Das gibt dir dann auch eine Sicherheit. Dann schauen wir mal, wie viele Spiele noch zu spielen sind und was eventuell noch möglich ist", sagte der Union-Coach.

Die Partie gegen Wolfsburg bot für Trainer Fischer durchaus Anhaltspunkte für fehlende Reife. Nach den Toren von Sheraldo Becker (29.) und Robert Andrich (53.) lag Union in Führung und war durch die Rote Karte für Maximilian Arnold in Überzahl, verspielte aber den möglichen Sieg. "Das ist was, was wir uns anschauen müssen. Aus solchen Phasen musst du lernen für die Zukunft", forderte Fischer.

Der wochenlange Ausfall von Max Kruse hat an Spielweise und Effektivität nichts verändert. Mit einer schnellen Rückkehr des Offensivspielers nach dessen Muskelbündelrisse rechnet der Trainer nicht. "Wie lange das noch geht, kann ich schwer sagen. Ich bin da auch immer ein bisschen vorsichtig", sagte Fischer.

Die Statistiken stimmen auch ohne Kruse unverändert. Sieben Heimspiele in Serie sind die Eisernen ungeschlagen. Keine Mannschaft hat bislang weniger Spiele verloren (2). Nur Tabellenführer Bayern (46) hat mehr Tore geschossen (31). Gegen keinen Gegner aus der oberen Tabellenhälfte wurde verloren. Das änderten auch die VfL-Tore von Renato Steffen (10.) und Wout Weghorst (66./Handelfmeter) nicht.

Diese Serie steht nun am kommenden Freitag gegen den Tabellendritten Bayer Leverkusen gleich wieder auf dem Prüfstand. "Wir machen uns nicht verrückt. Die Mannschaft kann sich davon ganz gut freimachen und auf das Spiel fokussieren und ist auf den Punkt da. Und das brauchen wir am Freitag auch", sagte Innenverteidiger Robin Knoche. Fischer und Ruhnert mögen genau diese Attitüde.

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