Stuttgart (dpa) - Noch fühlt sich Bielefelds Erfolgstrainer Uwe Neuhaus von Glückwünschen zum Aufstieg provoziert.

Doch ohne Druck und mit überzeugender Stabilität und Effektivität ist seine Arminia vor dem VfB Stuttgart und dem Hamburger SV erster Anwärter und auf bestem Weg zurück in die Bundesliga. Immer wahrscheinlicher ist nach dem 1:1 im Spitzenspiel in Stuttgart, dass das Überraschungsteam einem der beiden Topfavoriten den direkten Aufstieg vermasselt und entweder den VfB oder den HSV in die knifflige Relegation zwingt.

"Sie stehen zurecht da oben, wo sie stehen", räumte VfB-Trainer Pellegrino Matarazzo ein. Für seine Stuttgarter geht es in den kommenden Wochen angesichts des Punkte-Rückstands auf die Arminen wohl nur noch darum, im Zweikampf der beiden Großclubs mit dem HSV den zweiten Platz zu halten.

Auch dem Cheftrainer-Neuling dürften die auffallend zahlreichen Fehler seines Luxuskaders nicht entgangen sein. Der 42-Jährige musste sich zudem kritisch zu seiner Auswechslung von Torschütze Mario Gomez befragen lassen. Sein Trainer-Kollege Neuhaus lehnte sich dagegen auf dem Pressepodium entspannt zurück und sagte: Eine solch komfortable Ausgangssituation habe er sich nur "erträumen", nur "wünschen" können. "Die Reifeprüfung ist für mich, ein Jahr lang konstant zu sein", erklärte der 60-Jährige.

Dieser Prüfung scheinen die eingespielten Bielefelder gewachsen zu sein und dürfen sich als Gewinner des Remis im Topspiel fühlen. Zwar verspielten die Gäste um Kapitän und Top-Torjäger Fabian Klos in der Schlussphase vor trotz der zunehmenden Coronavirus-Vorsichtsmaßnahmen 54 302 Zuschauern einen noch größeren Vorsprung. Doch der Ausgleich durch Cebio Soukou (76. Minute) nach dem VfB-Führungstreffer des ehemaligen Nationalstürmers Gomez (53.) sicherte den Vorsprung von sechs Punkten auf den VfB ab. Sieben Zähler sind es gar zum HSV.

Anders als die beiden Topfavoriten treten die Ostwestfalen ohne die Last an, aufsteigen zu müssen. Und im Gegensatz zu den Konkurrenten sind sie im Jahr 2020 noch unbesiegt. "Effektivität" unterscheide den Tabellenführer von seinen Schwaben und vom HSV, sagte VfB-Sportdirektor Sven Mislintat. Und würdigte, der Konkurrent sei "brutal stabil" und habe "brutales Selbstbewusstsein".

Kein Wunder, schaut man sich die Serie an. Seit Neuhaus im Dezember 2018 den Trainerposten übernahm, haben die Bielefelder nur sechsmal verloren, so oft wie die Stuttgarter bereits in dieser Saison.

Es könne bei der angestrebten Bundesliga-Rückkehr nach elf Jahren noch immer vieles schiefgehen, beschwichtigte Neuhaus dennoch und verwies auf das Spiel beim Hamburger SV in zwei Wochen als möglichen "Stolperstein". Zunächst soll der Weg am Freitag gegen den VfL  Osnabrück weiter gehen. Auch gegen den Tabellenvierten Heidenheim muss sein Team noch ran. "So wie Bielefeld die ganze Saison schon spielt, wird es schwer, sie einzuholen", meinte der ehemalige Stuttgarter Bundesligaprofi Gonzalo Castro.