Hamburg (dpa) - Ausgerechnet Stadtrivale FC St. Pauli hat den Hamburger SV in der 2. Fußball-Bundesliga gestoppt. Der bisherige Tabellenführer verlor am Montag zum Abschluss des sechsten Spieltages beim Kiez-Club das 102. Stadtderby verdient mit 0:2 (0:1) und kassierte die erste Saisonniederlage.

Dimitrios Diamantakos (18.) mit seinem vierten Saisontreffer und ein Eigentor von HSV-Kapitän Rick van Drongelen (63.) sorgten vor 29.226 Zuschauern im ausverkauften Millerntor-Stadion für den historischen Erfolg des FC St. Pauli und für Party-Stimmung.

Es war für St. Pauli der erste Heimerfolg gegen den HSV seit Februar 1960, damals noch in der Oberliga. Durch die schmerzhafte Niederlage nach vier Siegen rutschte der Hamburger SV hinter dem Bundesliga-Absteiger VfB Stuttgart auf Platz zwei. Der FC St. Pauli kam durch den zweiten Dreier hoch auf den zehnten Rang.

"Wir haben leider verdient verloren", meinte HSV-Spielmacher Aaron Hunt im Pay-TV-Sender Sky. "Dass wir nicht ohne Niederlage durch die Saison marschieren, war uns vorher klar. Dass es heute passiert, ist doppelt bitter." Sein Trainer Dieter Hecking sagte: "Das war ein tolles Derby. Wir hätten gerne heute die Niederlage gerade gegen Pauli vermieden. Wir müssen die Fehler kritisch analysieren und daraus lernen."

St. Paulis Trainer Jos Luhukay war hingegen glücklich. Der Coach genoss die Atmosphäre nach dem ersten Derby-Heimsieg im Profifußball. "Wir sind auf einem guten Weg. Das hat dieses Spiel gezeigt", meinte der Niederländer.

Die Gastgeber begannen bissig und aggressiv. Der HSV kam kaum zur Ruhe. Von geordnetem Spielaufbau war beim Favoriten aus St. Paulis Nachbarschaft war kaum etwas zu sehen. Einzig Mittelfeld-Mann Adrian Fein bemühte sich, seine HSV-Kollege anzutreiben.

Die Kiez-Kicker erarbeiteten sich im Laufe der Zeit mehr und mehr Chancen. Vor allem Marvin Knoll und Mats Möller Daehli trieben das Spiel ihrer Mannschaft an. Nach gut 25 Minuten Stunde gelang es dem HSV, sich zu befreien. Doch erst in der 43. Minute wurde es für den FC St. Pauli gefährlich, als Sonny Kittel mit einem Volleyschuss den Pfosten traf. Zwei Minuten danach jubelten er und seine Kollegen zu früh, nachdem Lukas Hinterseer traf. Doch das Tor wurde annulliert, weil der Ball vor Bakery Jattas Flanke im Aus gewesen sein soll.

Als Schiedsrichter Sven Jablonski die zweite Halbzeit anpfeifen wollte, ließen Fans beider Clubs in ihren Blocks Feuerwerk und Pyrotechnik abbrennen. Das Spiel wurde mit Verzögerung fortgesetzt. Vor der emotionsgeladenen Partie und während der ersten Halbzeit war es ruhig geblieben. Nach zahlreichen Vorfällen im vorangegangenen Derby am 10. März beim FC St. Pauli hatten die Verantwortlichen die Sicherheitsmaßnahmen verstärkt.

HSV-Trainer Dieter Hecking reagierte nach der Pause und brachte Hunt als Spielgestalter. Und das wirkte: Die Gäste drückten den FC St. Pauli in dessen Hälfte. Hinterseer (49./53.) scheiterte zweimal an St. Paulis Keeper Robin Himmelmann. Kurz darauf setzte der Österreicher den Ball freistehend als kurzer Entfernung über das Tor.

Etwas überraschend dann die Entscheidung: Ein schnell ausgeführter Freistoß verwirrte die HSV-Deckung, der bis dahin gute van Drongelen lenkte den Ball bei seiner Rettungsaktion ins eigene Tor. Danach war der Widerstand der Gäste gebrochen. Nur einige Fans im HSV-Block sorgten noch einmal für Aufregung im St. Pauli-Strafraum, als sie Pyrotechnik aufs Spielfeld warfen.

Kader und Trainer FC St. Pauli

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