Schwerin/Düsseldorf (dpa) l Nach einem Gespräch mit Geschäftsführer Matthias Warnig in Schwerin sagte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) am gestrigen Dienstag in Schwerin: „Wir sind uns mit Nord Stream einig, dass das Projekt zum Erfolg geführt werden soll.“ Das Unternehmen äußerte sich nicht zu der Unterredung.

Schwesig bekräftigte: „Wir stehen weiter ganz klar hinter dem Bau der Ostseepipeline. Sie ist wichtig für die Energieversorgung in Deutschland.“ Bereits nach dem Bekanntwerden eines Briefes von US-Senatoren mit Drohungen gegen den Hafen Sassnitz-Mukran auf Rügen in der vorigen Woche hatte sie erklärt: „Wir halten an dem Projekt fest, wir lassen uns nicht einschüchtern.“

Der Mukran Port spielt als Lagerplatz der Rohre und Ausgangspunkt für die Verlegeschiffe eine zentrale Rolle beim Pipeline-Bau. An der Anlandestation in Lubmin (Vorpommern-Greifswald) wird ebenfalls weitergearbeitet.

Schwesig sagte, es sei gut und richtig, dass Deutschland bald aus der Atomenergie aussteige und sich auch von der Kohlekraft verabschieden wolle. Mecklenburg-Vorpommern setze stark auf erneuerbare Energien. Gas werde aber zumindest im Übergang als Energieträger gebraucht. „Deshalb haben wir das Pipelineprojekt immer befürwortet“, sagte die Regierungschefin. Sie sei im höchsten Maße verärgert über die Erpressungsversuche aus den USA. „So geht man unter befreundeten Nationen nicht miteinander um“, machte sie deutlich.

Die drei republikanischen US-Senatoren Ted Cruz, Tom Cotton und Ron Johnson hatten vergangene Woche dem Hafen von Sassnitz auf Rügen wegen dessen Rolle beim Bau der Gaspipeline unverhohlen gedroht. Sollte das Management des Fährhafens den Bau der Ostseepipeline weiter unterstützen, ziehe dies „vernichtende rechtliche und wirtschaftliche Sanktionen“ nach sich. US-Außenminister Mike Pompeo hatte Mitte Juli verkündet, die umstrittene Ostseepipeline falle fortan unter ein Gesetz, das Strafmaßnahmen unter anderem gegen Unternehmen ermöglicht, die Geschäfte mit Russland oder Staaten wie dem Iran und Nordkorea machen..

Der an der Finanzierung der Ostseepipeline Nord Stream 2 beteiligte Energiekonzern Uniper sieht allerdings ein wachsendes Risiko für das Scheitern des Projekts, heißt es im am Dienstag veröffentlichten Zwischenbericht für das erste Halbjahr 2020.

Bei einem Aus für die Pipeline müsse Uniper „gegebenenfalls den für Nord Stream 2 bereit gestellten Kredit wertberichtigen“ und könne geplante Zinserträge „nicht realisieren“. Uniper ist mit 950 Millionen Euro an der Finanzierung der Gasleitung beteiligt. Das Geld ist nach Uniper-Angaben bereits komplett geflossen.

„Grundsätzlich betrachten wir die Entwicklung der Sanktionen mit Sorge“, sagte Uniper-Vorstandschef Andreas Schierenbeck in einer Telefonkonferenz. „Wir glauben, dass das Projekt fertig wird“, betonte er. Die Einstufung von Nord Stream als „bedeutendes Einzelrisiko“ für Uniper, sei „ganz normales Risikomanagement“, sagte Finanzvorstand Sascha Bibert. Uniper gehe trotz der Drohungen der USA davon aus, „dass durch diese Leitung Gas fließen wird“.