Heidelberg (dpa) - Eine Corona-Infektion verläuft bei den allermeisten Menschen milde - bei manchen nimmt die Erkrankung aber einen so schweren Verlauf, dass sie auf Intensivstationen behandelt werden müssen. In der Regel gehen Covid-19-Patienten mit Atembeschwerden danach in eine Reha.

Zwei gegenteilige Tests an einem Tag

So wie Jörg K. aus Stuttgart. Er erholte sich bis Ende des Jahres in der Rehaklinik Heidelberg-Königstuhl. Seine Krankengeschichte beginnt am 21. Oktober. Da geht er wegen vermeintlicher Nebenwirkungen einer Grippeschutz-Impfung (Fieber, Abgeschlagenheit) zum Hausarzt, ein Coronatest dort fällt negativ aus. Dann geht es ganz schnell. Am gleichen Tag gehen die Sauerstoffwerte im Blut in den Keller, er kommt in eine Stuttgarter Klinik, der dortige Coronatest ist positiv. "Es kann sich bis heute niemand genau erklären, warum am gleichen Tag zwei Tests gegenteilig ausfallen", sagt der 55-Jährige.

Für ihn folgen zwei Tage auf der Isolierstation, neun Tage auf der Intensivstation und vier Tage auf der Normalstation. Er ist schlapp und kämpft mit Erinnerungslücken. Seit dem 9. Dezember ist er zum Auskurieren in Heidelberg. "Ausdauertraining, Schwimmen und Wandern haben mir geholfen", sagt der Rheinländer. Zur Therapie gehört auch, dass seine Lungenfunktion regelmäßig getestet wird.

Marion Pedak von der Klinik in Heidelberg-Königstuhl erzählt, die Einrichtung habe sehr früh Covid-19-Patienten für eine Rehabilitation aufgenommen. Bisher rund 250. Die ersten Fälle seien für eine Anschluss-Heilbehandlung bereits Anfang April gekommen. "Viele haben neurologische Ausfälle. Andere kommen wegen Gelenkentzündungen", erzählt Pedak.

Viele Rehakliniken unterbelegt

In Deutschland gebe es zwar knapp über 1000 Rehakliniken, doch nur wenige seien auf Lungenerkrankungen spezialisiert zur Behandlung von Covid-19-Patienten, erklärt Gert Krischak, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Physikalische und Rehabilitative Medizin. Diese Kliniken seien jetzt schon gut ausgelastet. Viele Reha-Einrichtungen zu Beispiel der Orthopädie seien aber unterbelegt, weil planbare Operationen verschoben werden und damit die Reha-Stammpatienten wegblieben. "Wir erwarten, dass sich eine Bugwelle auftut von Patienten mit einem ganz hohen Reha-Bedarf von Seiten der Psyche, der Orthopädie und der Neurologie als Folge einer Covid-Erkrankung."

Laut RKI haben etwa 80 Prozent der Corona-Infizierten einen leichten oder moderaten Verlauf und müssen nicht ins Krankenhaus, 20 Prozent müssen aufgenommen werden, davon ein Viertel auf die Intensivstation. Kurz nach der ersten Welle der Pandemie seien Mitte/Ende April die ersten Patienten in der Klinik des Medizinischen Zentrums für Gesundheit eingetroffen, sagt Ralf-Dieter Schipmann, Chefarzt der Klinik für Pneumologie und Kardiologie der Klinik Martinusquelle in Bad Lippspringe im Kreis Paderborn. "Wenn die Patienten aufstehen können, sich 50 bis 60 Meter mit einem Rollator bewegen können, kommen sie zu uns für mindestens drei Wochen."

Laut Schipmann ist die Gesundungsdauer aber extrem unterschiedlich. Im Vergleich zu anderen Viruserkrankungen sei der Weg dahin sehr viel länger. "Bei den Covid-Patienten sehen wir nach drei Wochen Reha, dass sie oft noch nicht acht Stunden am Tag arbeiten können." Sie müssten danach teilweise noch Wochen krankgeschrieben werden. Schlage das Virus heftig in der Lunge zu, komme es zu einer Art Fibrosierung (Bindegewebsvermehrung der Lunge). Dabei werde die Lunge sozusagen steifer. "Ich erkläre es dem Patienten dann immer an dem Phänomen eines neuen und alten Schwammes. Ein neuer Schwamm nimmt im Eimer ganz viel Wasser auf, ein ganz alter Schwamm nimmt nur einen halben Liter auf. Vergleichbar dazu verhält sich auch manchmal eine kranke Lunge."

Psychische Belastung und depressive Verstimmungen

Weitere Symptome, die in der Reha auffallen, sind laut Schipmann neurologische und psychiatrische Störungen mit Kribbel-, Wahrnehmungs- und Konzentrationsstörungen, aber auch Ängste und depressive Verstimmungen. "Die Corona-Erkrankung ist auch eine Art Systemerkrankung. Da werden ganz ganz viele Dinge in unserem Körper betroffen, wie zum Beispiel der bei schwerem Verlauf teils heftige "Entzündungssturm", der auch für viele Thrombosen und Embolien verantwortlich ist, was schon für sich eine lebensbedrohliche Situation ist." Die allermeisten Patienten werden im Regelfall aber wieder gesund.

Die psychische Belastung breche manche Menschen, sagt Schipmann. "Die Nahtoderlebnisse, die Träume in der Phase des künstlichen Komas und in der Aufwachphase haben für manche in der Akutphase Realitätsverluste nach sich gezogen." Hinzu komme, dass die Liebsten wochenlang nicht dabei sein könnten, weil Besuchsverbote gelten. Seit Mitte April seien fast 170 Patienten aufgenommen worden. In den letzten Wochen seien die Aufnahmen von Covid-Patienten wieder akut nach oben gegangen.

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