Berlin (dpa) - Zum Höhepunkt der Grippewelle in Deutschland fordert die Deutsche Stiftung Patientenschutz einen besseren Impfschutz der Bevölkerung. "Bis heute übernehmen nicht alle Krankenkassen die wichtige Vierfach-Impfung", sagte Vorstand Eugen Brysch.

"Gezahlt wird häufig nur der halb so teure Dreifach-Wirkstoff." In einem Beitrag für die Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (Mittwoch-Ausgaben) betonte Brysch: "Dabei fehlt der Dreifachimpfung ein entscheidender Influenzastamm, der für zahlreiche, teils schwerwiegende Erkrankungen verantwortlich ist." Ob der Vierfach-Impfstoff aber in ausreichender Menge vorhanden wäre, ist allerdings fraglich.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) am Robert Koch-Institut (RKI) hatte die Vierfach-Impfung gegen Grippe erst kürzlich empfohlen. In der aktuellen Saison hilft der Dreifach-Impfstoff laut Experten nur bedingt, weil er weniger Virenstämme des Influenza-B-Typs abdeckt. Im Unterschied zur Dreifach- richtet sich die Vierfach-Impfung auch gegen die sogenannte Yamagata-Linie der Influenza-B-Erreger. Sie macht laut RKI etwa 75 Prozent aller Grippefälle aus.

Dennoch biete auch die Dreifach-Impfung guten Schutz, sagt RKI-Sprecherin Susanne Glasmacher. Bei der derzeitigen Grippewelle liege die Wirksamkeit aller Impfungen zusammen bei 46 Prozent. Das sei angesichts der üblichen Schwankungsbreite von 20 bis 60 Prozent schon recht gut.

Die Schutzimpfungen sind seit 2007 Pflichtleistungen der gesetzlichen Krankenkassen. Der für den Leistungskatalog der Kassen zuständige gemeinsame Bundesausschuss (G-BA), dem Spitzenvertretern von Ärzten, Kassen und Kliniken angehören, hatte im Januar mitgeteilt, nach der Stiko-Empfehlung zügig über eine Aufnahme des Vierfach-Stoffs in die Pflichtleistungen der Kassen zu beraten.

"Hierfür besteht eine gesetzliche Frist von maximal drei Monaten", sagte G-BA-Chef Josef Hecken. Ansatzpunkte für Klagen über eine Benachteiligung von Kassenpatienten gegenüber Privatversicherten, die die Impfung eher erstattet bekommen, biete der Fall nicht. Bisher habe der G-BA Stiko-Empfehlungen in den meisten Fällen übernommen.

Brysch kritisierte, heute seien chronisch und schwerstkranke Menschen beim Grippeschutz auf das Wohlwollen ihrer Krankenkasse angewiesen. Dass der Gemeinsame Bundesausschuss die Entscheidung über die Vierfach-Impfung erst im April treffen wolle, sei viel zu spät für die diesjährige Grippesaison. "Deshalb muss der Gesetzgeber für solche Gefährdungssituationen ein Eilverfahren einführen."

RKI-Sprecherin Glasmacher weist darauf hin, dass die Chargen der Impfstoffe schon im vorigen Frühjahr und Sommer produziert worden seien. Vor der Herstellung der Impfstoffe analysieren Experten kontinuierlich die zirkulierenden Varianten von Grippeerregern. Daraus leiten sie die Zusammensetzung der Impfstoffe für die hiesige Grippesaison im Winter ab. Für die Nordhalbkugel veröffentlicht die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ihre Empfehlung gewöhnlich im Februar. Da Grippeviren sehr wandlungsfähig sind, bieten die Impfungen nie absoluten Schutz.

Die Grippewelle hat in Deutschland ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht. In der achten Kalenderwoche registrierte das Robert Koch-Institut mehr als 35 000 Grippefälle. Mindestens 216 Menschen starben nachweislich nach einer Influenza-Infektion - vorwiegend Menschen im Seniorenalter, die oft Vorerkrankungen hatten. Die Dunkelziffer bei Grippefällen gilt als hoch, weil nicht in jedem Fall Erregerproben analysiert werden.

Influenza-Wochenbericht

Mitteilung Gemeinsamer Bundesausschuss

Offizielle Empfehlung für Grippeimpfung