Magdeburg l Matthias Musche wäre in der 48. Minute am liebsten über die Bande zu den Fans gesprungen. Der Publikumsliebling hatte gerade zum 21:14 abgeschlossen und ruderte auf der Platte auffordernd mit den Armen. Und die mit 6600 Zuschauern ausverkaufte Getec-Arena ging endgültig in den Party-Modus über. Eine der vielen Schlüsselszenen des ersten Heimspiels gegen den SC DHfK Leipzig.

SCM lässt Leipzig herankommen

Nachdem die Gastgeber kurz nach der Pause schon mit 16:10 geführt hatten, waren die Leipziger nach 41 Minuten plötzlich wieder auf zwei Tore (16:14) dran. Doch Musche und seine Kollegen schüttelten sich kurz und legten schnell wieder die Weichen auf Sieg. „Es war mir von vornherein klar, dass Leipzig sich nicht ergibt. Wir haben phasenweise auch zu viele einfache Fehler gemacht und hatten dadurch Ballverluste. Aber im entscheidenden Moment hat die Mannschaft Qualität und Charakter gezeigt“, analysierte SCM-Trainer Bennet Wiegert.

Dass sich seine Jungs schon zu Beginn der Partie schwer taten und erst einmal mit 1:3 (6.) hinten lagen, sah Wiegert auch in der besonderen Konstellation dieses Spiels begründet: „Die Duelle mit Leipzig haben sich zu einem echten Derby entwickelt. Das merkt man schon allein am Medienaufkommen in der Woche zuvor. Diesen Unterschied spürt jeder im Team.“ Und das erste Heimspiel einer Saison sorgt für zusätzlichen Druck.

SCM ohne Kapitän O‘Sullivan

Wie befürchtet mussten die Magdeburger ohne Christian O‘Sullivan auskommen. Der Kapitän wird seine verletzte Schulter heute sogar per MRT untersuchen lassen. Dafür meldete sich Michael Damgaard nach langer Pause mit einigen Einsatzminuten auf der Platte zurück.

Neben Marko Bezjak als besten SCM-Werfer mit sechs Treffern war auch Torwart Jannick Green wie schon beim Auftaktsieg gegen Melsungen einer der Matchwinner. Der Däne zeigte erneut glänzende Reaktionen. Allein vor der Pause hatte Green zehn Paraden auf dem Statistikzettel stehen.

Torhüter Green mit irrer Dreierparade

Besonders spektakulär: Drei davon legte er in der 22. Minute beim Stand von 8:6 innerhalb eines Leipziger Angriffs hin, innerhalb von zehn Sekunden. Erst fischte er einen Wurf von Franz Semper weg, dann parierte er den Nachwurf von Patrick Wiesmach. Und weil der Ball erneut zu den Leipzigern prallte, machte Green auch gegen Niclas Pieczkowski sein Tor zu. Green: „Das sind natürlich die Szenen, an denen man sich als Torwart richtig pusht. Und als wir dann endlich den Ball hatten, war das schon genial, wie die Fans gefeiert haben.“

Und das auch schon vor dem Anwurf. Da gab der Verein bekannt, dass Linksaußen Musche seinen Vertrag bis 2024 verlängert hat. „Wie sich die Fans darüber gefreut haben, macht einen schon stolz“, sagte Musche. „Und für mich gibt es auch nichts Schöneres, als weiter in meiner Heimatstadt Handball spielen zu können.“

Wiegert adelt Musche

Auch der Trainer ist begeistert. „Für mich ist er der beste deutsche Linksaußen hinter Uwe Gensheimer. Deshalb bin ich sehr froh, dass er verlängert hat und sehe das auch als Signal“, sagte Bennet Wiegert.

Dass es schon morgen Abend in Wetzlar (19 Uhr, Sky) wieder um Punkte geht, gefällt dem Trainer gar nicht. Wiegert: „Das kotzt mich an, aber wir können es ja nicht ändern.“ Nur darauf einstellen. Nach dem Jubelkreis auf der Platte und dem Autogramme schreiben, setzten sich die Spieler auf die Fahrradergometer, um die Muskeln zu lockern. Heute Mittag macht sich das Team mit dem Bus auf den Weg.

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