Halle/Magdeburg l Maximilian Haase hat beschlossen, den Schalter im Kopf mit dem Anwurf umzulegen. Vorsicht oder gar Angst sollen in seinem Spiel keinen Platz haben. „Man kann es sowieso nicht beeinflussen. Man kann nur in der Reha alles dafür tun, dass es nicht noch einmal passiert“, erklärt der 29-Jährige. Und der Dreh- und Angelpunkt im Spiel der Hallenser USV-Handballer hat in den vergangenen 14 Monaten viel dafür getan, dass „es“ nicht wieder passiert.

Haase blickt Comeback entgegen

Gemeint ist eine Diagnose, die schon ganz andere Sportlerkarrieren vorzeitig beendet hat: ein doppelter Kreuzbandriss. Am 13. Februar 2016 zog sich der gebürtige Wernige- röder die Horrorverletzung im Auswärtsspiel bei Eintracht Baunatal ohne gegnerische Einwirkung zu. Während sein Team in der Folge den Abstieg aus der 3. Liga nicht verhindern konnte, ackerte sich Haase über ein volles Jahr durch Rehabilitationsprogramm und Aufbautraining. Nun aber, am Sonnabend um 19 Uhr, hat die Leidenszeit ein Ende. Das Comeback im Heimspiel gegen den HV Rot-Weiss Staßfurt kündigt sich an.

Ausgerechnet gegen Staßfurt, mag man meinen. Nicht nur, dass es mit den Rot-Weissen um ihren damaligen Trainer in der Saison 2011/2012 zwei „Familienduelle“ zwischen Sohn Maximilian und Vater Olaf Haase gab. Für den RWS-Vorgänger Concordia stand der 1,90-Meter-Mann zuvor selbst zwei Jahre auf dem Parkett. „Zwei schöne Jahre“, wie er rückblickend auf die Zeit von 2006 bis 2008 erklärt. „Wir hatten eine Mannschaft mit vielen Persönlichkeiten, alles feine Kerle.“

Mit einigen von ihnen wie Sebastian Retting oder Oliver Jacobi, dem seinerzeit den Sprung aus der Reserve in die erste Mannschaft gelang, oder Standby-Spieler Nils Hähnel könnte es folglich im anstehenden Heimspiel ein Wiedersehen geben. „Auch wenn es lange her ist, denkt man zu den Spielen gegen Staßfurt immer wieder gern an die Zeit zurück.“ Doch alte Verbundenheit hin oder her – zumindest während der 60 Minuten auf dem Parkett ist kein Platz für Sentimentalitäten.

Kein Selbstläufer

Nicht nur, dass die Hallenser um Trainer Fabian Metzner – ebenfalls bis 2008 in Reihen der Staßfurter zu finden – nach eigenem Bekunden noch eine Rechnung aus dem Hinspiel in Staßfurt, das die Rot-Weissen mit 26:24 für sich entschieden, offen haben, für die Bodestädter zählt nach wie vor jeder Punkt im Abstiegskampf. Trotz zweier Siege in Folge haben sich die Vorzeichen nicht geändert, wie Trainer Uwe Werkmeister verdeutlicht: „Wir wissen auch, wie es sich anfühlt, siebenmal in Folge zu verlieren. Daher gehen wir definitiv nicht von einem Selbstläufer in Halle aus.“

Dennoch haben der 35:24-Sieg in Hermsdorf und vor allem der 24:20-Derbytriumph der Vorwoche gegen die HG Köthen die Staßfurter Brust wieder etwas breiter werden lassen. Laut Werkmeister gelte es daher, einen anspruchsvollen Spagat zu meistern: „Selbstbewusstsein ja, aber zugleich ist entscheidend, dass wir das Spiel genauso positiv, entschlossen und mutig wie die Partien gegen Köthen und Hermsdorf angehen.“

Augenscheinlich hat seine Sieben im Hinspiel das rechte Maß gefunden. Der Zwei- Tore-Erfolg Ende November 2016 mochte zwar manches Wellental in der eigenen Leistung beinhalten, doch in den entscheidenden Phasen war Rot-Weiss zur Stelle. „In Vorbereitung auf die Partie werde ich mir das Video aus dem Hinspiel noch einmal ansehen. Ein, zwei Dinge gilt es anzusprechen und zu verbessern“, so Werkmeister, der mit gestrigem Stand auf den gesamten Kader zurückgreifen kann.

Derby als zusätzlicher Anreiz

An den richtigen Stellschrauben drehen wollen allerdings vorab auch die Hallenser, wie Spielmacher Haase durchblicken lässt: „Wenn man das Hinspiel in Staßfurt und auch unseren zurückliegenden Auftritt in Freiberg (29:30, Anm.d.Red.) heranzieht, denke ich, dass jeder noch fünf Prozent mehr herauskitzeln muss und wird, zumal es sich ja um ein Derby handelt.“

Für den Rückkehrer selbst steht übrigens nicht im Vordergrund, beim Comeback als bester Werfer seines Teams hervorzustechen. „Ich werde sicher nicht gleich zwei Stunden auf dem Feld stehen. Es geht darum, Spielpraxis zu sammeln und wieder ins Geschehen zu schnuppern.“ Und vor allem zu keiner Sekunde einen Gedanken daran zu verschwenden, dass „es“ wieder passieren könnte.