Staßfurt l Karl-Heinz Maruhn konnte nur leicht mit dem Kopf schütteln, als er im Vorjahr zurück nach Staßfurt zog und sich wieder intensiver mit dem HV Rot-Weiss Staßfurt und insbesondere dessen Nachwuchs-Arbeit beschäftigte. Dass nicht ein Jugendteam höher spielt als in der Bezirksliga, findet Maruhn erschreckend. Mit seiner Jahrzehnte langen handballerischen Expertise hat er natürlich schon sehr viel erlebt.

Und im Nachwuchs vor allem bessere Zeiten. „Zwischen 1975 und 1990 sind aus dem Staßfurter Nachwuchs vier Nationalspieler hervorgegangen und etliche Erst- und Zweitliga-Spieler“, erinnert er sich gern zurück. Doch davon ist der HV Rot-Weiss momentan weit weg. Sehr weit. Und das stört wohl kaum jemanden mehr als Karl-Heinz Maruhn.

Nur Nachwuchs-Amt kam in Frage

„Der Nachwuchs-Bereich ist im Vergleich zu früher sehr weit zurück“, schätzt Maruhn ein. Doch der einstige DDR-Oberliga-Spieler ist keiner, der in solchen Situationen nicht mit anpackt, damit Besserung einkehrt. Dass er nach seinem Umzug wieder eine Rolle im Verein einnehmen wird, war klar. Und auch welche: „In den Vorstand wollte ich nicht. Wenn ich etwas mache, dann im Nachwuchs“, teilte er dem Verein klar mit. Zunächst übernahm er ab Sommer dann das Traineramt bei den C-Junioren aus der Bezirksliga und hat es sich als großes Ziel auf die Fahnen geschrieben, diese Jugend in die Sachsen-Anhalt-Liga zu führen.

Doch dabei blieb es nicht. Mit Tobias Rindert verließ die Staßfurter im vorherigen Jahr der jahrelange Nachwuchskoordinator etwas überraschend. Diese wichtige Position war beim HV Rot-Weiss lange unbesetzt. Andreas Stops nahm sich der Rolle für einige Zeit interimsweise an, gab diesen Posten mit seinem Ausscheiden als Co-Trainer der ersten Männermannschaft aber ebenfalls auf. Nun wird diese Rolle Maruhn ausfüllen. Und Präsident Patrick Schliwa ist von dieser Entscheidung mehr als überzeugt: „Er ist eine Koryphäe im Staßfurter Handball und hat sehr viel Erfahrung. Zudem hat er die Zeit und die Kompetenz und möchte das auch gern. Da lag es auf der Hand, dass er diese Aufgabe übernimmt.“

Doch der Westeregelner bringt nicht nur die Leidenschaft mit und trägt laut Schliwa „das Herz für den Handball am rechten Fleck“, er hat auch schon ein Konzept erarbeitet, wie es mit dem Nachwuchs in Staßfurt wieder bergauf gehen kann. „Wir müssen wach werden und wollen wieder enger zusammenrücken.“ Das ist bei Maruhn keine inhaltsleere Floskel, sondern seine Einstellung, die er jedem einzelnen Nachwuchs-Spieler vermittelt.

Das fängt schon dabei an, dass der Coach von jedem Spiel Video-Aufnahmen machen lässt. „So kann ich den Jungen zeigen, was besser werden kann und woran sie noch arbeiten müssen.“ Akribisch versucht der erfahrene Handball-Lehrer aus jedem Spieler alles herauszuholen. Und solche Maßnahmen, die sonst in der Bezirksliga wohl kaum zum Einsatz kommen, helfen dabei ungemein. „Die Spieler sind doch visuell heute sowieso sehr vernetzt, das müssen wir nutzen.“

Doch natürlich ist das nicht alles, was sich ändern muss. „In erster Linie muss der Kontakt zu den Schulen wieder enger werden. Wir müssen mehr Gespräche führen“, fordert der neue Nachwuchskoordinator und hat das auch schon getan. Die Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit, vor allem im Jugendbereich, ist das A und O für einen solchen Verein. „Die Kinder und Jugendlichen sollen wieder spüren, dass wir uns um sie kümmern“, fordert auch Schliwa. Ein neuer Ansatz: Im Sommer ist ein Trainingslager mit allen Nachwuchs-Teams geplant.

Zahlreiche Lehrgänge

Eine vernünftige Ausbildung ist entscheidend. Das weiß auch Maruhn: „Wir haben professionelle Trainer, denen wir die Kinder an die Hand geben.“ Dafür sorgt er auch selbst. Er spricht viel mit den Übungsleitern und organisiert Lehrgänge, die in nächster Zeit wieder viel häufiger stattfinden sollen. „Die Trainer sind engagiert“, erkennt Maruhn an.

Auch im aktuellen Kader befinden sich mit Spielern wie Oliver Jacobi, Nils Hähnel oder Patrick Tuchen gute Handballer aus dem eigenen Nachwuchs. „Das ist nicht so einfach, weil auch andere Vereine um die Spieler buhlen“, so Maruhn. Aber dieser Schritt, vom eigenen Nachwuchs zur Männermannschaft, soll künftig wieder viel öfter erfolgen. Schliwa erhofft sich von „Rahmentrainingsplänen“, dass der Nachwuchs schon an die Spielzüge und das Tempo der ersten Mannschaft angepasst wird. „In der A-Jugend brauchst du dann schon 20 Spieler, um filtern zu können“, weiß Maruhn.

Bis die neue Arbeit aber wieder Früchte trägt, ist es „ein sehr langer Weg“, das weiß der neue Nachwuchs-Chef ganz genau. Doch er hat gleichermaßen keine Angst, diesen Weg zu gehen. Und die Steine aus dem Weg zu räumen. Die ersten Schritte sind gemacht, die nächsten Probleme lassen aber nicht lange auf sich warten. Mit dem Umzug von der Merkewitz- in die Salzland-Sporthalle steht der HV Rot-Weiss vor dem Problem, dass schlichtweg nicht genug Platz ist.

Denn es gibt auch noch die Schulen und den HC Salzland. „Wir können uns doch nicht mit 20 E-Junioren auch noch die Halle teilen“, ärgert sich Maruhn. „Der Umzug war ein Schritt zurück. Wir müssen eine Lösung finden.“ Geht der Handball-Enthusiast diese Problematik dann aber mit der selben Akribie an, mit der er jetzt schon im Nachwuchs-Bereich arbeitet, wird sich bestimmt eine Lösung finden. Und dann kann der HV Rot-Weiss im Nachwuchs-Bereich auch wieder dahin kommen, wo die Handball-Stadt einmal war.

Der HV Rot Weiss Staßfurt sucht weiterhin Jungen, die gerne Handball spielen möchten, egal wie alt sie sind. Wer Interesse hat, meldet sich bei Karl-Heinz Maruhn unter der Nummer (0179) 44 81 977