Berlin l Am Ende ging Timothey Guessan unter seinen jubelnden Mitspielern unter. Der Franzose hatte soeben nach Ablauf der regulären Spielzeit den Treffer zum 25:25-Unentschieden erzielt. Und dem deutschen Team erneut einen fast schon sicher geglaubten Sieg aus den Händen gerissen. Allerdings hielt sich die Enttäuschung bei der DHB-Auswahl diesmal in Grenzen: „Wir können darauf stolz sein, was wir hier abgeliefert haben“, sagte der Berliner Fabian Wiede. „Das hat uns gezeigt, dass wir gegen jeden mithalten können.“ Auch Bundestrainer Christian Prokop sah ausschließlich das Positive: „Das war der Wahnsinn bis zum Schluss. Kompliment an meine Mannschaft.“

Das Topspiel in der Vorrundengruppe A war nichts für schwache Nerven, sondern ein Handball-Krimi auf höchstem Niveau. Bis zur Halbzeit konnte sich Deutschland zwar einen Zwei-Tore-Vorsprung (12:10) erarbeiten – mehr aber auch nicht. Obwohl die Franzosen besonders der robuste Mittelblock um Patrick Wiencek und Hendrik Pekeler zu schaffen machte, fanden sie immer wieder Wege, um den Ball ins Netz zu befördern. Kentin Mahé spielte dabei seine Klasse aus.

Buzzer löst sich selbst aus

Und gerade in der ersten Halbzeit war es nicht nur die Leistung der französischen Mannschaft, die deren Nationaltrainer Didier Dinart dazu brachte, mit grünen Auszeit-Karten um sich zu werfen. Er traute viel mehr seinen Augen kaum – oder besser: seinen Ohren. Während seine Mannschaft darum kämpfte, den Anschluss ans DHB-Team nicht zu verlieren, versagte gleich zweimal die Technik. Der elektronische Auszeit-Buzzer ertönte, doch keiner wollte ihn gedrückt haben. Um den Ärger in Grenzen zu halten, griff der Spielleiter kurzerhand auf die altherkömmlichen, grünen Time-out-Karten zurück. Dafür gab‘s spöttischen Applaus von Dinart. Und er pfefferte die Kärtchen erst einmal auf den Hallenboden. Denn es war seine Mannschaft, die durch das Versagen der Technik jeweils ausgebremst wurde.

Sechs Minuten nach der Pause hatten die Franzosen aber das Spiel gedreht. Kentin Mahe überlistete den zwischenzeitlich im Tor stehenden Silvio Heinevetter mit einem Siebenmeter zum 15:14 für Frankreich. Egal! Die DHB-Jungs wollten unbedingt die zwei Punkte, kämpften um jeden Ball und jeden Zentimeter. Hendrik Pekeler nutzte dabei einen Gegenstoß zum 18:17 (44.). Und Gensheimer ließ acht Minuten vor Schluss mit seinem Tor zum 22:20 die Halle kochen.

Starker Wiede erzielt das 25:23

Doch auch abseits dieser Kuriosität entwickelte sich in der zweiten Hälfte ein spannungsgeladenes Spiel. Sechs Minuten nach der Pause hatten die Franzosen dann wiederum die Partie gedreht. Mahé überlistete den zwischenzeitlich im Tor stehenden Silvio Heinevetter mit einem Siebenmeter zum 15:14 für Frankreich. Egal! Die DHB-Jungs wollten unbedingt die zwei Punkte, kämpften um jeden Ball und jeden Zentimeter. Pekeler nutzte dabei einen Gegenstoß zum 18:17 (44.). Und Gensheimer ließ acht Minuten vor Schluss mit seinem Tor zum 22:20 die Halle kochen.

Und der Zwei-Tore-Vorsprung wurde mit allen Kräften verteidigt. Als Wiede in der 58. Minute zum 25:23 einnetzte, hatte kaum einer Zweifel: Dieses Mal musste es doch reichen – nicht so, wie im Spiel am Vorabend gegen Russland.

Zauberstück in allerletzter Sekunde

Allerdings hatte Frankreich andere Pläne. Erst war es erneut Mahé – wer auch sonst – der mit einem Siebenmeter den Anschlusstreffer setzte. Dann vergab Deutschland eine Chance. Und Frankreich hatte den letzten Angriff. Und noch drei Sekunden auf der Uhr. Der Rest ist Geschichte: Frankreich jubelte, dank eines Zauberstücks in allerletzter Sekunde.

Kapitän Uwe Gensheimer musste sich nach Fußtritten gegen den Pfosten zunächst sammeln, erklärte anschließend in den Katakomben: „Schade, dass wir unseren letzten Angriff nicht aufs Tor gebracht haben, aber das Spiel gibt uns trotzdem Mut.“ Paul Drux stellte fest: „Wir haben das Spiel dominiert, das macht uns viel Hoffnung für die Hauptrunde.“ Denn die haben die Deutschen sowieso erreicht.